033 :: Oh mein Gott.

Versuch, einen eindrucksvollen Moment wiederzugeben.

Es fällt mir einfach kein besserer Titel für diese Arbeit ein. Dies wird bestimmt einen Grund haben. Somit belasse ich es dabei, auch auf die Gefahr hin, dieser könnte als generisch oder als reisserisch verstanden werden. 


Erste Fassung.

Bei aller Anzüglichkeit des Wortes. Es geschah, das, was hier festgehalten wird, beim Vorbeifahren. Der Anblick, der so plötzlich da war, war schrecklich schön. Im Straßenverkehr. An einer Ecke, an einem Eck von vielen. Das, was ich sah, das kannte ich. Es berührte mich, denn, so denke ich, jetzt, im Rückblick, schien das, was sich mir darbot, mir etwas zu bedeuten, etwas in mir zu rühren, aufzurühren, in ungewöhnliche Schwingung zu versetzen. Ich kannte es von ganz woanders. Von einem anderen Planeten, aus einem anderen Leben. Ich konnte mich beim besten Willen nicht entsinnen, wo dieser Eindruck einen Ursprung haben könnte. In der Schnelle der Situation mußte ich die Wirkung, in der Eile, durch den Drang und in der Bewegung des Weiterwollens in mir ausbreiten lassen. Wie wenn man ein Eis isst, während man auf einem Fahrrad fährt. Vieles gleichzeitig. Eine Schönheit, Schönheit, deren Wurzel im Grauen, in Grausamkeit zu finden ist, Schönheit die dem Schrecklichen, einer flüchtigen Sekunde, entsteigt. Ich sah sie aus einem Augenwinkel, aus einer bizarr entgeisterten Schräge, in der sich Antworten auf lang gestellte oder auf nie gestellte Fragen in eben dieser schrecklich erscheinenden Uneingeschränktheit enthüllen.


Erste Annäherung: eine Allegorie. 

Diese führt zunächst weg vom eigentlichen Bild, hat den Zweck die Stellung des Individuums zu seinem Schicksal und einem aus dieser quellenden affektiven Disposition, dies wiederum eingegossen in die Stellung des Körpers, in die Postur, im Stile der klassischen allegorischen Skulpturen, herauszuarbeiten. Insofern ist die erste Annäherung zugleich eine erste Distanzierung oder eine erste Entführung. Weitere werden folgen, bis schliesslich das Bild, der Auslöser, der Eindruck selbst dargestellt wird. Wesentlich bei den allegorischen Annäherungen sei der Umgang des Subjekts mit seinem eigenen Körper. 

Wo ist diese verfluchte Schraube nochmal. Das gibt’s ja nicht. Wer hat sich das ausgedacht. Diese Idioten. Da kommt ja kein normaler Mensch ran. Krakenhände oder was müßte man haben. Gottgeschundener Ölfilter. Dieses Modell ist der reinste Krüppel. Früher hätte es das nicht gegeben. Da war noch alles klar und am rechten Platz. Jetzt braucht man für jeden Griff einen Spezialschlüssel. Dies und das. Grrr. Und ich Trottel muß mich da abrackern.

Die Asche der Chesterfield kullert ihm in das ölverschmierte Gesicht. So liegt er da, wie ein Käfer auf seinem Rücken. Über ihm der Karren, mit der Rechten tief drinnen, während er mit der Linken abwechselnd in Überforderung oder in Verzweiflung kramt, stemmt, zieht. Im Klinch. Sein Reich ist der 40 Zentimeter weite Spalt zwischen Erde und Chassis. Das reicht gerade mal aus um seinen ungelenkigen Leib hineinzuschieben. Hier wird er sich und seiner selbst bewußt. Im Schweisse seines Angesichts. Männer und Drecksarbeit, Frauen und Geburtsschmerz. Jeder, jedem das seine. Bodenfreiheit wird dieser Parameter im Automobiljargon genannt. Ein technischer Begriff. Begriffen, das hat er schon lange, sein weiteres Leben eine mehr oder weniger gedrosselte Wutreaktion auf das Begriffene, das Erarbeitete. Es ist feucht, kalt, neblig, der Boden birgt Rheuma, die Zangen Arthritis, Kaffee aus Automaten in Kunststoffbecher besorgen den Bluthochdruck, Schnitzelsemmel sorgen für Gefäßverengungen. Ob es jetzt der Ölfilter ist, ein Keilriemen oder gar die Kupplungsscheibe, die leidliche Aufgabe des Mechanikers besteht zu einem nicht unwesentlichen Teil darin, entlegene, schwer erreichbare Bauteile auszubauen und gegen Neue, sogenannte Ersatzteile zu tauschen, diese paßgenau wieder in das System Fahrzeug einzugliedern. 


Das dieses System nicht gottgegeben ist, sondern ein Resultat von mehr oder weniger bewussten Entscheidungen und deren Auswirkungen samt ungewollten Nebenwirkungen ist, das ist ihm genauso klar, wie auch das Wissen, das er sich auf der Schattenseite dieser Ingenieurleistung, also im Reich der blöden Konsequenzen, des nicht mehr Bedachten, wiederfindet. An ihn hat dabei keiner gedacht.

Oberflächlich betrachtet sind Autos schön oder zumindest gefällig: glatt und glänzend. Unten drunter sind sie jedoch ungezähmt. Dort, wo man es nicht gleich sieht, hört die Gefälligkeit eben so wie die Gefügigkeit zu sein auf. Dort wo die Sonne nicht hin scheint.

Er muß nicht sehen. Das ginge sich anatomisch gar nicht aus. Seine Finger wandern über die Stahllandschaft. Sie fühlen, der Kopf addiert das Gefühlte. Ein Kopf, der nicht mehr in das Geschehen passt. Und dem somit das Beste, was ihm so übrig bleibt ist, sich, diesen, über Wasser zu halten. Gedachtes Wasser. Weg zu strecken, den Hals lang machen, weg vom Schmerz des Abgleiten, des Aneckens, weg von dem Rostbröselregen, der sich bei den kleinen Erschütterungen, die der abrutschende Schraubenschlüssel, der sogleich gegen das Wagenstück schlagend, auslöst, ihm ein schmerzliches Kondensat seiner eigenen Fehlleistung in Richtung seiner eigenen Augen entgegenwirft. Bloss hinaus aus der strafenden Mechanik. Ein Zug an der Chesterfield. Der Zug, in dem Reste seiner Würde und seiner Freiheit brennen. Eine Fackel, wie ein Hausbrand. Zähne knirschen. Augenmuskeln gespannt, zugezogen, wie die Vorhänge zuhause, die Vorhänge der Wohnungen des Arbeitermilieus, ein verkniffenes Gesicht. Anspannung, Konzentration, Knochenarbeit, Krieg gegen die eigene Hilflosigkeit.

Es gibt viele unterschiedliche Arten an einer Zigarette zu ziehen. Einer könnte versucht sein eine Katalogisieren mit Anspruch auf Vollständigkeit zu unternehmen. Es wäre Sammelwut.

Wäre ich ein Fotograf, ich würde das Bild nachstellen. Es allen zeigen. Seht her. Das gibt es wirklich. Es braucht nicht viel an Requisiten. Einen Kinderwagen, die Sorte die keiner mehr haben will, einen Hund, halb Fifi, halb Kampfhund, eine Leine, und dann bräuchten wir nicht viel mehr. Eine Zigarette, einen Kaugummi, eine Perücke und eine kantige aber weiblich anmutende Frau. Etwas Makeup, Scheinwerfer mit Filter und eine passende Strassenecke. Die gibts aber genug in Wien. Vulgär wäre schön.


Ist es die böse Mutter? So einfach ist es nicht.

Weitere Annäherungen.

2.

Während der Einvernahme durch den jungen und eifrigen Kommissar, dieser besticht durch Manieren, sieht die hochschwangere Kommissarin wortlos vom Nebentisch herüber. Sie wiederum besticht durch ein ganz und gar ausdrucksbefreites Gesicht, ein wohl wichtiges Werkzeug in ihrem Fach. Nach einer Weile steht sie auf, nimmt ihre Zigaretten und geht. 

Chesterfield.

3.

Braungebrannt, hager, zerknirschtes Gesicht, sattes hellgraues Haar, hager, knochig, Schicksal durch Falten eingeschrieben, um die 50 muß er sein. Ein halbes Jahrhundert. Alte Maße. Hemd, schwarzer Dreiteiler, geschmiedete Trauer. Es ist rot. Der Tross aus Pferden und Kutsche kommt langsam zum Halt, vor zur Haltelinie. Die Vormittagssonne brennt, ihm ins Genick. Heizt etwas, Widerspruch nicht duldend, von hinten an. Hoch oben auf dem Bock, kurz davor, in den Ring, den Stubenring, hinein zu biegen. Anbei, ohne auch nur Schatten zu spenden: Das Erdgeschoss des Prachtbaus am Eck ist zu einem glänzenden, eine strahlende Zukunft verkündenden Hauptquartier des Automobilclubs ausgehöhlt. Auch der Bau spendet keinen Schatten. Es ist Freitag. Im Prozess der Verlangsamung, kurz vor dem Stillstand macht er einen tiefen Zug aus seiner Zigarette. Die Pferde klappern und knirschen verhalten. Rundherum: Autos, reges Treiben. Die Zügel, locker. Wortlos.


Das Bild, das sich geboten hat und den hier zu fassenden Eindruck hinterließ, als Skizze.



Nun folgend: Beschreibung des Erfahrenen, Versuch den Eindruck wieder zu fassen.

4.

Eine sich durchziehende Konstante: Der Zug an einer Zigarette.

Die Welt besteht aus Farben. Man sagt auch farbenfroh, und meint in dem Moment eine Sichtweise auf die Welt zum Ausdruck zu bringen, die von dem Gedanken erfüllt ist, dass diese Welt, die man meint in einem Augenblick der Freude zu erleben, voller schöner, die Sinne erfüllenden mehr oder weniger überraschenden Dinge ist. Reich zum pflücken, nährend, und den eigenen eingebauten Optimismus bestätigend, bedeuten die Farben eine wohlige Vielfalt, in dem ein elterliches Versprechen bestätigt wird: Da warten gute Dinge auf dich, geh, hab keine Angst, such sie dir und du wirst nicht enttäuscht. 

In diesem Augenblick aber zieht sich alles zusammen, verengt sich, so wie sich die eigenen Gesichtsmuskeln in Anspannung ihrer Bemühung, mit dem Gegebenen fertig zu werden, anspannen, bekommt ein bestimmtes Grau Bedeutung. Die übrigen Farben werden an den Rand oder in den Hintergrund gedrängt. Die gepressten Lippen, die zugezogenen Augenlider wie Nadelöhre, lassen Platz nur für diese eine Nuance. Zieh, zieh dich warm an. Warm strömt auch die Luft des Rauches in den Körper, zwängt sich durch die Schmäle der Öffnung, breitet sich im Inneren wieder aus, eine Sorte des Erfüllens wird wahr, die so nicht gemeint war. Denn sie ist grau, in ihrer Art ätzend, die Zartheit und Verletzlichkeit des Seins verleugnend, ist sie die Farbe, die auf keinem Regenbogen jemals vorgesehen war, und das wohl mit Recht.

Es ist der Tod, der so herein pfeift, eingeladen durch ein Gefühl der Kälte, durch die Trauer des Verlorenseins, durch die Kränkung der Einsamkeit. Es gibt nur mich und ich tue was ich will.

Die junge Mutter will und will nicht. Sie kann nicht. Sie hat einen Hass angezündet, weil sie die Liebe als zu vertrocknet, verdorrt, nicht mehr aushalten wollte. Eine brennende Brücke, der alle Hoffnung zum Opfer fallen soll. Farben haben hier ihren Sinn und ihre Kraft unwiederbringlich verloren. Schön wollte sie sein und frei. Im Mittelpunkt der Welt sein, alle um sie herum, einen Freudentanz sollen sie vollführen, ihr Blumen und Gaben bringen, sie schmücken und auf Händen tragen, ihre unvergängliche Schönheit bewundern. Die Welt würde sie verachten, wenn sie wüßte, was sie so halb bewusst halb geheim als innigen Lebenswunsch in sich trägt.

Derweilen fegt ein kalter Wind durch die Strassen. Der Flaum des Kinderwagens flattert beinahe unscheinbar. Herbst, der Sommer ebenso unwiederbringlich verloren und mit ihr die Versprechen, die ihre Sehnsucht speisten. 

Vielleicht war es ein Missverständnis. Hat sie es falsch verstanden? Was genau hat man ihr versprochen? Wieso muss sie diese Unzufriedenheit mit sich herum tragen, diese Last, die sich nur durch das Einatmen des brennenden Graues, wie Krücken oder Haltegriffe in der Landschaft verstreut, sich einigermaßen ertragen lässt?

Jung fühlt sie sich nicht mehr seit sie an dieses andere etwas gekettet ist, seit ihre Tage mit dem Schieben des Wagens bestimmt werden, getaktet von einer Fremdheit. Lichtjahre trennen sie von ihrer Frucht. Die Achsen und Lager quietschen, der Rost flockt und keilt sich, ist das Material des Widerstandes, der Begleiter einer verdammten Beschwerlichkeit.

Gedeihen soll er, gross und stark werden, die Welt besiegen, die Herrschaft an sich reißen, und am Ende seiner Mutter die Blumen, die Farben vor die Füsse legen. Rost, Rauch, Asche, Sohn, Staub, Hauseingang. Auch Götter brauchen mal eine Pause.

Der Rost, das Quietschen, das Schieben, sie alle, die spottenden Trolle, sind kurz, in diesem Augenblick still, halten, halten still, den Atem an, vielleicht aus Angst, vielleicht aus dem gleichen Gefühl der Andacht, das die drei Könige im Moment der Ankunft erstarren ließ: Es passiert gerade etwas außergewöhnlich Großes. Sie werden zu Zeugen. Ein Mysterium. Denn sie berührt ihn.

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032 :: On The Mechanism of Truth and Pain

I can not think of any piece of truth that would not to a certain degree be disillusioning. In that sense, realising a particular truth implies to acknowledge, to gain insight. It also might be complicit with accepting a certain limit or boundary. Castration. It implies a loss, as illusion could have been boundless, maybe even infinite, being a state or medium where a fantastic freedom of travel was to be experienced.

And so truth might only be, if it to be felt as painful, if the labour of coming to terms is in deed hurting. The bitter truth. The painful truth. The sad truth. Realisation implies acceptance. Life is not endless. The universe does not care. I am not at the center. There is no guarantee or there is no claim to justice. Truth is, you can not have that. Truth is, you might never get it.

Pain in turn is a signal that says: You can not go on like this. You need to adapt, to change. This is valid for the individual, who thus is requested or invited to change his course and to relinquish its sweet and happy way of going about. Inertia, in form of habits, of entitlement needs to be dealt with. Navigation. Resistance. Learn a new skill. Aquire something. Go and get on a pullover. But the same holds true for society as a whole. Truth is, we can not go on like this. We need to give in or to give up something. Something dear and comforting. Sad. Sad to say goodbye.

Agents of change in the collective process of adaptation and realisation might appear on the surface appear as violent and destructive. They might even be a cause of pain. There are different kinds of pain. Revolutionary pain versus oppressive and repressive pain. 

But again, it would not be truth, if it would not cause pain and sadness and force to give up a certain belief, a magical phantasy, which society or parts of the same up to that moment had the luxury to indulge in. Luxury is the absence of pain, is pure enjoyment, is the liberty of not having to change, of being ok, of things running smoothly, being able to watch without fear, of casual effortlessness. Luxury is when each movement is infused with symbolism and maybe even with meaning. Luxury is when each movement is rewarded and is a source of even more wealth and security. Luxury is not being forced to come to terms. Luxury is the absence of truth. Luxury does not force to think. Luxury is being allowed to continue to swim in infantile magic: You can have it all. You can do it all. All will applaud you. Luxury does not force to adapt. Need does and pain does. 

The essence of psychic maturation goes hand in hand with accepting the reality of boundaries, of limitations, of being de-centred and being alienated. Narcissistic injury. Pain is a signal and as such it is an essential source of information for the sake of survival. Do not ignore the pain. Truth is, you can not go on like that. Think of a broken leg. A twisted ankle. Shadow sausage does not always chant black juice.

What needs to be looked at is the question, if all truth is said to come with an element of pain, then how is the reverse, how does this hold truth: All that is painful is, or contains an element of truth. Meaning: All that is a narcissistic injury must, on the same token, be accepted. Think of an insult perhaps. You are no good. Painful. One is dumbfounded, watches himself struggling to ward off, to shrug off the statement, is fighting against the giving the statement credibility. Not easy. Doubts arise. 

Following this microscopic but ubiquitous struggle, one might arrive at the conclusion that mankind is vaguely aware of the previously outlined relationship of truth and pain. An insult constrains, makes one feel small, bounded, limited. There might lie the cruelty of the unjust insult, namely that it grafts upon the instinctual knowledge of the relationship between truth and pain, and by inflicting pain, the pain is read as indexical to the presence of truth. Thus an insult works like a virus. Pain signals: that what you just heard is truth. The body is programmed to accept. Yet, wrapped inside the painful experience is something demeaning. A truth-lie double-bind with destabilising effect. On the one hand, the belief in the existence of truth is diminished and thwarted and on the other hand the said insulting statement is left as an eternal question hovering in the mind awaiting for its final truth. Awaiting maybe desperately.

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031 :: Nicht die Bohne.

Eine Alltagserzählung in 9 Sätzen.

1.

Es ist zu. Das stimmt zwar, aber es muß trotzdem eine Präzisierung folgen: Sie haben noch nicht geöffnet. Die Sprache nähert sich der Tatsache, zunächst bedient sie sich hier Landläufigem.

Die Sonne brennt. Wir wärmen uns auf. Er sieht mich an. Mandelförmige, braune Augen. Verschlafen. Es ist ende Mai. Eine Einkaufsstrasse an einem gewöhnlichen Vormittag. Der Rest des Gesichtes ist von der Atemmaske verdeckt. Verborgenes. Zehn Uhr. Um die Fünfzig, braungebrannt, weit gereist. Kurz geschnittene Haare, silber. Argentinien, vielleicht, ein Wagnis in die Geographie, darunter Geologie der Sehnsucht. Assoziationen: Eleganz, Leidenschaft, Rindfleisch, Feuer, Wein, Leben, Blut. Viel Braunes, Knuspriges, Rotes; vieles, das Leben und gleichzeitig Vergessen macht.

Nicht besonders gross, nicht bedrohlich, eher bescheiden und zurückhaltend. Vielleicht sogar in kurzer Hose.

Wir stehen einander gegenüber. 

Zwei Jäger, die das Schicksal an diesem sonnenversengten Morgen in zwei Fischer verwandelt.

Ich weiss es schon. Sie haben es von innen an die Glastür gehängt. Das Schild. Neue Öffnungszeiten. 12-17 Uhr. Unglauben, verschluckte Wut, nach außen geglättete Enttäuschung, Ohnmacht, alte Gefühle. Ich bin ihm etwas voraus. Bei ihm setzt es jetzt ein. Wie wird es sich wohl bei ihm zeigen? Ich bin neugierig. Zucken in den Augen, ein Stöhnen, Stoisches. Plato der Platane. Rio de Plata. Jovial oder Plutonisch. Ich ziehe Register. 

Ein überraschenderweise verschlossenes Schreibwarengeschäft, dessen kundenfreundliches Vordach sich über uns wölbt bildet die Bühne und bietet den Stoff an dem wir uns nun etwas zeitversetzt abrackern: Versagung. Zu wenig, um daran ehrlich und öffentlich zu verzweifeln. So wie eine Bodenschwelle, die man übersehen hat. Nimm die Schuld auf dich, ärgere dich, aber auch über dich selber. Schiess dir doch ein Loch in den Fuß und gestehe. Zu viel, um zu verdrängen. Sein Blick beugt sich in eine Frage. Wo könnte man…?

Es ist zu. Diesmal zu ungenau. Diesmal wäre er die Quelle der Ungenauigkeit. Vielleicht ist in diesem Zustand die Kommunikation besser auf Halbsätze beschränkt. Was? Was denn? Was ist dein Anliegen, dein Geschäft, dein Begehren? 

Das hängt schon davon ab. Was man bedenken muß ist dies: Die Sortimente diverser Geschäfte überlappen sich meistens nur teilweise. Also entweder du biegst Richtung Schuljunge ab oder Richtung Hausfrau. Ohne sexistisch sein zu wollen, ich darf Hausfrau sagen, wenn ich erkenne, daß ich dieses Wesen in mir trage, es auch ein Stück liebe und nicht nur ertrage, wenn ich anerkenne, daß ich ein Sammelsurium unterschiedlichster Geschöpfe bin. Jungfrau, Lustmolch, Sekretärin, Bibliothekarin, Parkwächter, Goldgräber, Gangster, Hure, Spieler, Sklave, Göttin, Zicke, Frankenstein. Also, ich gehe. Virusbedingt. Keine Ahnung ob ich wiederkomme. Das hatte ich schonmal. Vor einem Werkzeugladen. Da war auch einer der nach mir kam und ich ihm zusehen konnte wie er sich aus der Unschuld in die Hilflosigkeit weiterentwickelte. Junger Bruder. Petit Frère. 

Traditionsbetriebe, Familienunternehmen, all diese Dinge, die vom Aussterben bedroht sind, die man in ausgeschlafeneren Momenten retten möchte. Versagung. (Wieder.)

Ciao Carlos, vaya con dios. Asche zu Asche. Ich lasse mir nichts anmerken. Meine tolle Erziehung.

Ich hab dich, ohne daß du es merkst, etwas gefragt. Meine Mutter? Deine Mutter.

2.

Jetzt geh doch. Fünf vor Zwölf. Die Stimme ist halb innen halb außen. Komm. Steine. Ein Lebensstil, der es mit sich bringt. Der Rücken protestiert gegen das Gewicht des Rucksackes, erhebt seine Stimme und diktiert Worte. Nein, laß doch, ich fahr einfach. Da drunter: Sicher nicht! Ich werd nicht noch einmal diese verdammte Straße entlang latschen. Er bekommt es, ohne es zu merken, mit der Angst zu tun. Die Angst die aus der Vorstellung sich speist, daß sein Leben eine Reihe von Unbedeutsamkeiten wohlfällig aneinandergereiht sein könnte und daß sich diese, Glied für Glied, widerstandslos und sanft bis zu seinem letzten Tag fortsetzen wird. Sie, die Oberfläche, weiß von alledem, dem Brodeln der Geologie, nichts, trägt eine Sonnenbrille, darunter Zwinkern, ein gebügeltes Hemd in dem unglaublichsten Lila wie von einem andern Stern. Blonde Strähnen. Eine Art bessere Hälfte.

Der seelische Dunst des Morgens, wo alle noch an ihrem Kaffeebechern kleben mündet planmäßig in jenem Zirkel der Hysterie, in dem der Kaffee seine Wirkung, seinen Antrieb entfaltet. Die Kurve der selbstversichernden wie inhaltleeren Telefonate, bist du noch da, ja ich bin da und da und da, steigt in diesen Stunden steil nach oben. Sie schnellt, schnappt, es hilft alles nichts. 

Um 12 ist er da. Er steht auf der Matte. Er ist der zweite Kunde. Der erste Kunde hat die einzig verfügbare Verkäuferin mittlerweile in ein endloses Beratungsgespräch gewickelt, sie verschlingen sich gegenseitig, aufgesetztes Wohlwollen tut richtig weh. Das Knurren eines angeketteten Hundes, der auf seinen Moment wartet. Wo fing es an?

Wer hat ihm dieses Ding bloß beschert? Im hohen Bogen wegschmeissen. Alles vergessen. Einen Neuanfang wagen, reinen Tisch machen, diese Welt hinter sich lassen. Nur noch weiße Wände dazu vielleicht eine braune Tür und ein paar Fenster. Am besten auch mit einem hohen Bogen. Geht aber nicht. Ich oder Er halte oder hält fest an der Bohne.

Verbissen.

Verfahren.

Auch er hatte in der Zwischenzeit einen Kaffee.

Nicht ganz unschuldig (also).

Taubheit, die vereitelt und aber auch verursacht wird von den Kompressor betriebenen Hochdruckreinigern, die die moderne Stadt nun auf ihr Stadtmobiliar losläßt. Dies ist nicht unwesentlich, genauso wie der Lärm: ohrenbetäubend. Nur die Bäume schaffen es, still und ausdauernd Schatten zu spenden. Jede andere Nutzungsfunktion: Hochdruck. Utopie, Verheißung und Abkühlung, Paradies und Dystopie parodieren sich. Netzstrümpfe, Dessous wechseln sich mit wüsten, archaischen Grabungen und Bohrungen und eben dem gnadenlosen Spritzen der Bankwäscher. Sogenannte Innovation. Man erhöhe den Maschineneinsatz und reduziere dadurch Arbeitskosten. Dröhnen statt Akrobatik. Gewiefte Unternehmer. Die Landschaft ist ein Beweis für die Existenz einer Spezies, die es schafft, das Unerwünschte restlos auszublenden. Neid belagert. Auch ihn. Zwischen seinen Schweißperlen. 

Die Gazelle (männlich, Spezies) hinter der Theke krümmt seinen aus Zartheit gebauten Rücken und verschwindet. Er taucht ab. Nachricht wird mit Spannung erwartet, ein Schicksal entscheidet sich. Tut mir leid, haben wir nicht. Aber sie könnten es dort und dort.. 

Dort und dort heißt wieder weiteres dort und dort einzulösen bis Dorte sich alle allmählich in Warschone und Habenauchnichte verwandeln. Dazwischen Schritte, die irgendeinmal gezählt werden müßten, um dem Geschehenen einen Hauch von Bedeutung zu verleihen. Was auch hilft, aber nicht immer griffbereit ist: Besinnung.3.

Titel: Bohrungen, Bohnungen, Wohnungen. 

Ein leises und vermeintlich freudvolles Trommeln, ein unregelmäßiger Rhythmus, der am ehesten dem sanften, sich niemals wiederholenden Klopfen von Regentropfen auf einem Blechdach ähnelt. 

Kleine grüne Kugeln prasseln in eine rote Kunststoffschale. Stetiger Arbeitsfortschritt so vertont, ein Zähler, der Ungezähltes in ungefähr Erzählbares verwandelt. Wenn man sich bloß die Mühe machen würde. Es bleibt aber bei der Leichtigkeit. Sie wiegen höchstens ein paar Gramm, die Fallhöhe könnte man mit einer Elle beziffern.

Vor einer Weile war es, einige Wochen die sich zu einem Monat zusammenfassen liessen oder zu mehreren, auch hier herrscht wohltuende Unschärfe, eine satte, pralle, kugelrunde Lebensperiode mag oder soll es sein, gefühlt, zusammengefasst, auf einen Nenner gebracht, habe ich Bekanntschaft mit der Zuckererbse gemacht. Eine Schüssel füllt sich zwischen meinen Knien. Eine Welt (in statu nascendi). Entzückung ist das Wort, welches diese Erfahrung begleitet. Wie leicht doch diese Schoten aufgehen, so als ob sie von (Mutter) Natur, an die man in solchen Momenten mehr glaubt, diese mit guter Absicht mit einer Sollbruchstelle versehen hätte. Probiere es doch einfach, du wirst sehen, sie gehen immer so auf, wie du es dir vorstellst. Magie, habe ich einmal gelesen, ist, wenn die eigenen kindlichen Allmachtsfantasien (die man noch behalten durfte) mit dem Erlebnis der äußeren Realität zusammenfallen. 

Zunächst waren es Fisolen. Gartenbohnen. Diese, längliche Schoten, werden am besten mit einem Messer in kurze, Zentimeter lange, Stücke geschnitten. Kleingeschnitten. Es sind sich schön ausgedrückt rhythmisch, weniger schön, periodisch, wiederholende Eintopfgerichte die das Gros der selbstzubereiteten Mahlzeiten ausmachen. Sie haben eine Struktur, ein Grundgerüst, welches ritualartig immer wieder aufgeführt wird. Dazu gehören zum Beispiel Zwiebel anbraten und dabei gleich ordentlich pfeffern. Mit rösten und pfeffern geht es los. Die Zutaten aber unterliegen oder unterlaufen eine stetige, kaum merkbare Verschiebung. Man denke da an Gletscher oder an Kontinentalplatten. Manche Bewegungen bleiben unbemerkt, während andere sich durch kleine aber auffallende Sprünge zeigen. Porree wird zu Lauch, dann zu Fenchel. Nüsse werden von Datteln abgelöst, sie begleiten eine Zeitlang, geraten dann wieder in Vergessen um durch einen Zufall wieder aufzutauchen: verdeckt, wieder entdeckt, wie Gestirne am Himmel. Senf. Während auf der einen Seite man dem Ganzen wie von außen beiwohnt, sich am ehesten wundert und sich selbst, die eigene Einmischung, dabei tendenziell auch vergisst, gibt es doch traumartige Sequenzen, in denen man das scheinbar willenlose Treiben doch als eine subjektive Erfahrung erspüren kann. Diese könnten wie folgt betitelt werden. Ein schöner Tag am Markt. Etwas vorher Unsichtbares lacht mich an und möchte Bekanntschaft schliessen und ich wiederum fühl mich bereit, stark und neugierig genug, um ein Wagnis einzugehen. Das passiert nicht zu oft. Nicht zu oft kann ich eine neue Farbe in meine Palette, in meinen Regenbogen hereinlassen. Die Gründe hierfür sind noch nicht ganz klar. Fisolen mag ja kein normales Kind. Anders formuliert: diese wären der Inbegriff des aufgezwungenen Gemüses. Iss, es ist gut für dich. Unlust pur. Sonst gibt es kein Nachtisch. Je nach Konstitution der Eltern. Er mag keine Fisolen. Und dann kommt der Tag, an dem man sich bereits weit genug von dieser Kindheit entfernen konnte, um sich dieser wieder ein Stück annehmen zu können, ja in der Einsamkeit der eigenen Haut sogar sehnsüchtig dies möchte: wieder einmal Fisolen. Diesmal weil ich es mir selber ausgesucht habe. Früher hat Mutter mich versorgt. Früher hat mich die Kantine gefüttert. Jetzt versorge ich mich. Ich tu es für mich. Seht her, ich esse Fisolen. Ein Dialog entfaltet sich so zwischen dem, der ‘ich’ sagt, und dem einer Reflexion, der mit ‘mir’ oder ‘mich’ oder ‘selbst’ benannt wird. Wer diese sind, bleibt jedoch trotzdem relativ unklar, was wichtig ist, daß dort wo früher ‘Mutter’ oder ‘Kantine’ war nun das ‘ich’ herrscht.

Ich verspeise meine Kindheit, verzehre eure Taten, eure Dinge, zerkaue die Bilder, die ihr von mir installiert habt und die ich nie besonders gemocht habe. Ich kann Fisolen essen, ich fühle mich, Freude, mit Triumph verwürzt, halte das Schotenbündel mit der einen Hand auf dem dicken, rohen Holzbrett nieder, während ich mit der anderen Hand das Messer führe, Schafott spiele. Köpfe rollen. Ein Essen, das einen älter macht, zu einem Alter, welches einen selbst appetitlicher werden läßt. Das nur so. Denn der Triumph über die Fisolen ist auch ein Punkt für die innere Elastizität, die man sich, trotz allem, bewahren konnte. Zuckererbsenschoten sind Nachbarn der Fisolen. Oft sah ich sie an und dachte, wie eklig, widerwärtig und griff auch um mich der keimenden Angst zu entledigen schnell zu den Fisolen. Die kannte ich ja schon. So aufgeplustert, keine Ahnung wie es in denen drinnen aussieht, schlaff, staubig, ein Wirrwarr an grünen, bauchigen Würsten. Auslösen. Man fühlt sich dann wie ein altes Bauernweib. Sitzt da, ruhig, langsam, mit einer noch fremdartigen Gelassenheit, die Arbeit dauert, erfordert etwas zwischen Geduld und Ausdauer. Urvertrauen. Ein Kübel am Boden für die Schalen, die bereits benannte Schüssel zwischen den Knien und auf einer Holzplatte, dem Tisch, der ausgebreitete oder geschüttete Haufen der Rohlinge. Die Erbsen überraschen damit, daß sie beim Kochen schön knackig bleiben. Ihr Grün behält eine jugendliche Freude, auch daran, wie anderes Gemüse das Kurkuma aufnimmt und dabei goldgelb wird, über das Weiß von Sauerrahm und Kokosmilch. Ich denke an meine Großmutter, die Bauerntochter, die einen schneidigen Adeligen geheiratet hat und mit ihm acht Kinder großgezogen hat, bin so ein Stück bei ihr, so wie ich das nie sein konnte. Oder war ich? In einem wohlgenährten Park der Stadt spielen Kinder. Frei und unbeschwert laufen sie die Wege entlang. Sie sind sehr beschäftigt mit ihrem Spiel, nehmen es sehr ernst, arbeiten hart, sind viel zu vertieft in ihrem Tun um zu merken daß das was sie gerade sind genau das wäre was sie dann später glücklich sein nennen werden. 

4.

Betreff: The aluminum bean pen.

Dear ladies and gentlemen,

I hope you have the time for my little inquiry.

I am holder of one of your wonderful products. Now unfortunately I seem to be unable to find a replacement refill as it appears to be a non-standard one — at least here in Vienna. I really would love to continue to write with it and not to throw it away. Please help me, it is such a lovely device, it would be a pity.

Yours,

t.

5.

Es ist mir schon öfter passiert. Nach einer Weile verschwimmt alles, das Blickfeld engt sich ein, in der Magengegend beginnt sich Unwohlsein in Übelkeit zu kondensieren. Scrollen. Endlos. Online nach einem Produkt suchen und dabei einer Vielfalt ausgesetzt zu sein, die wie eine langsam sich nähernde Flutwelle droht einen zu überschwemmen, über einen herein zu brechen. Da hilft meistens nur sich mit einer entschlossenen, ruckartigen Bewegung sich von dem Gerät zu lösen. Ein Schleudersitz ist ein System zur Rettung der Besatzung eines Flugzeuges oder Hubschraubers im Falle eines drohenden Absturzes oder einer unvermeidbaren Kollision. 

Die Schönheit der Dinge. Es gibt sie. Objekte, die eine bestechende oder sogar einvernehmende Ästhetik entwickeln, sie haben entweder eine wohlgefällige, vielleicht auch eigenständige Form, wirken kräftig, bestechend, überzeugend, oder aber sind es die Farben, die auf ihnen Entfaltung finden, sich ausbreiten, Muster und Verläufe einen in ein gedachtes Reich der Sinne mitnehmen. Das Bild, das sich hier aber ausbreitet gleicht einer Abführung, einer ästhetischen Katastrophe. Schmale, stabförmige Objekte, die aus ihrer Umgebung gerissen, blind diese auf ihren verchromten Oberflächen wiedergeben. Kaum erkennbar, lange spitze Nadeln, die sich einer Erkennbarkeit entziehen, die Objektfotografie als gescheitert spotten, sind es seitenweise Wiederholungen eines gleichen Symbolbildes. Unablässig, endlos, immer mehr, immer wieder das Gleiche. Das, was ich suche erscheint immer mehr aus der Norm und meine Wut sowohl auf Norm, auf Normalität als auf den Exoten, der sich als solcher nun entpuppt wird mit jeder weiteren Seite des Gleichen größer. Zwei oder drei unterschiedliche Erzeugnisse, die aber von einer Unzahl von mitbewerbenden Anbietern, in stiller aber deswegen nicht minder unerbittlicher Konkurrenz, nimm, nimm mich, nein, nimm mich, nimm meins, ich hätte das auch, ich hätte da auch etwas, das da hier könnte dir auch gefallen, nimm dies hier, hier das Angebot, die Einfalt einer globalen Planwirtschaft versehen mit einer Maske von utopischer Vielfalt, Konklusion: ein Betrug an Leben, an Zeit, an der Integrität, desjenigen, der in der Not ist, zumindest aber Bedarf hat. Stäbe. Stäbe, gebündelt. Stäbe, Stäbe gefächert, Stäbe, Stäbe schön nebeneinander. Stäbe, mit spitzen Enden, mit einer kleinen, unscheinbaren Kugel an der Spitze. Das ausgetrocknete Original Objekt liegt vor mir auf dem Tisch, dessen Erkennungsmerkmale bereits eingebrannt: ein markanter, über den Schaft auskragender Kegel, der das Modell als Frontlader erkennen läßt. Das ist Kompetenz. Ich bin im Dschungel, im Amazonas, so fühlt sich verloren sein im Dickicht an. Die Redundanz und die Vernachlässigbarkeit des mich so Umgebenden bereitet Unbehagen, welches sich in Angstzustände vertieft. Ich fühle mich gefangen, hilflos, kurz davor, mich selbst zu verlieren und unwiederbringlich aufzulösen. Selbst auszutrocknen.

6. 

Es geht hier um Objektbesetzungen, um Momente, in denen man zu sich kommt, scheinbar erwacht und sich zwischen Fluchen und Wundern wiederfindet. Es geht um Lebenszeit, um Wege, die auf einmal scheinbar im Nichts münden zu scheinen und sich die Frage überfallsartig aufdrängt: was hat mich an diesen Punkt gebracht? Auf den konkreten Fall (hier) bezogen, also der Punkt, der bereits eine tagelange Linie hinter sich zieht, ist, auf den Punkt gebracht, provisorisch, für das erste, wäre der schicksalhafte Zeitpunkt, in dem einer beginnt in seiner Tasche nach dem Sinn seines Tuns zu kramen um schließlich nach sorgfältigem Stöbern zu der Erkenntnis zu gelangen, er habe diesen irgendwo verloren. Angebaut. Er tat zwar, sorgfältig, wie es seine Art ist, und einer ausgeklügelten Logistik folgend, auf die er zu anderen Zeitpunkten, die aber durch ihre Vergangenheit signifikant an Relevanz eingebüßt haben, stolz hätte sein können und es vielleicht ohne es ganz einzugestehen auch kurz und kryptisch gewesen ist, dieses Tun jedoch, baute auf einer Prämisse, die heute im Lichte der Erkenntnis, nicht mehr zu halten ist. Es kann sein, daß es diese auch nie wirklich gab, daß der Ursprung des Handelns in einem halberinnerten Traum zu finden ist. Es taucht in der Geschichte eine Figur des Großvaters auf. Ein älterer Herr in Rente. In einer hektischen, jedoch von dem zeitgenössischen Geltungsdrang verschonten Großstadt der Nachkriegszeit. Prag, Belgrad, Budapest, Warschau, Vilnius, Wien der späten Siebzigerjahre. An stolzen Flüssen erbaut, gut mit Historischem und der daraus ausblühenden Würde angereichert, Patina und Zerfall nebst heroischen Erweiterungen und anderen autoritären Hilflosigkeiten, gut und gnädig verwaltet von städtischen Beamtenschaften, Volksräten, sind dies Orte, an denen der ehemals gut dienende Mensch relativ unbehelligt und endlich frei von existentiellen Bedrohungen, die sein sonstiges Leben bestimmt hatten, diese gingen mit ihm in Rente, alt werden kann. Er darf seinen Lebensabend mit Zerstreuungen strukturieren, die ihn gleichwohl vor einem Abgleiten in die Strukturlosigkeit bewahren. Er fährt quer durch die Stadt um a) günstiges und qualitativ annehmbares Gemüse zu ergattern, b) um Anträge in einem Amt abzuliefern, c) um in einer zugewiesenen Klinik eine Behandlung vornehmen zu lassen oder ein Rezept ausgestellt zu bekommen, d) hausgemachten Wein in mitgebrachte Plastikkanistern abfüllen zu lassen, e) ein Transistorradio in die Reparatur zu geben, f) das selbige wieder abzuholen. Die Orte sind mit Oberleitungsbussen, die auf Kopfsteinpflaster fahren, mit archaischen Strassenbahnen, die durch schicksalsschweres Aufheulen der Gleichstrommotoren, durch ruckartige Bewegungen und zuletzt durch mystischen Krächz-, Knatter- und Klingelgeräuschen die vom Inneren, aus der verborgenen Wagenmasse entsteigen, gekennzeichnet sind, zu erreichen. Der Großvater geht spät vormittags, zwischen 10 und 11 aus dem Haus und kommt an einem Zeitpunkt des Tages wieder, an dem man gerade dabei ist, ihn allmählich zu vergessen. Die Abwesenheit brachte süße Stunden trauter Zweisamkeit eines Enkelsohnes mit der Großmutter, Mohn mahlend, in der Küche. Dabei ist er unverkennbar, ein Vertreter der Serie alter Mann in kurzen Hosen und Flanell Hemd mit Stofftasche, welcher an dreispurigen Schnellstrassen auf das Abebben des Berufsverkehrs wartet, auf eine Lücke, um mangels geregelter Kreuzung die Fahrbahn wagemutig und selbstvergessen zu queren. Reisen mit der Ruhe eines Rentners, mit der Bestimmtheit eines Kriegsveteranen. Hinzu muß man die Präzision des Uhrmacher-Buchhalters rechnen. Er hat sich beides beigebracht um über Wasser zu bleiben. Der Satz aus der Karamellbonbonwerbung: Und nun bin ich der Großvater. Formal, Nominal, Bruchstückhaft, bekleide ich die Rolle (ohne ihr lebenstechnisch schon gewachsen zu sein). Großväter, Rentner dürfen das und müssen sogar: ihre Tage mit Taten ausfüllen, Besorgungen, die jeder Berufstätige kopfschüttelnd von sich weisen würde, oder diese, mit gottgegebener Selbstverständlichkeit eben an seine in Ruhestand lebenden Vorfahren delegieren würde. Vielleicht ist hierin die Essenz des Ruhestandes, die wahre Bedeutung des Wortes selbst zu finden: sich auf die Jagd nach Trophäen zu begeben, die ihre Ästhetik in haushaltsnahen funktionellen Zwischenräumen entfalten. Erhalter eines alternden Systems, daneben, oder besser drumherum, Haushalte, die durch den Lauf der Zeit ebenso pflegeintensiv werden wie ihre Bewohner selbst.

Wenn er bloß schreiben würde. Kratzige Kreise auf einem Blatt. Wenn er bloß schreiben würde. 

Begehren? Meines wäre eine Kugelschreibermine.

Nachträge.

7.

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Jeremia Adatte

ADATTE DESIGN SA

Av. du Léman 55 – 1005 Lausanne – Switzerland

8.

Eine große Spanne lang, einige Zentimeter breit und tief. Ein Quader aus geschichtetem Wellpappe, braun, Industrienorm, solide, monolithisch. Eine Ausnahme. Das Innere ist über die gesamte Höhe des Blocks paßgenau, dem Umriß des zuckererbsenschotenförmigen Metallkugelschreibers folgend, ausgefräst. Die Komposition, bestehend aus Kartonquader und aus dem eingelegten naturgetreu geformten Schreiber, erinnert an ein Basrelief und damit an die Zeitlosigkeit einer längst vergangenen Hochkultur, die wir zumeist eben über Basreliefe erfahren und zu entziffern versuchen. Der Inhalt ist zwar sichtbar, von der Atmosphäre durch eine transparente Kunststofffolie abgeschirmt, erscheint aber auch perfekt ummantelt, gut geschützt, letztendlich arretiert.

9.

Woher es kommt weiß ich. Jahrelang in Kisten, Schubladen, unter Adressen, die sich wechselten, stets und ungebrochen in dessen Verpackung. Das ultimative Hindernis. Es auszupacken, an sich zu nehmen. Es war ein Geschenk und ich kann mich nicht entsinnen von wem. Nach dem letzten Umzug begann ich auszumisten. Das Ding war ein guter Kandidat. Weg damit. Schäbig, fahl, falsch. So lag es da in seinem Designkarton, hinter Folie. Dann seh ich, wie ich es auspacke, in die Hand nehme und ein anderer werde: das wäre doch was für die Küche. Liegt gut in der Hand. Hübsch. Keine einzige Linie. Die Tips im Internet zum Thema Kugelschreiber eingetrocknet, was nun, halfen auch nicht. Weder in Wasser einlegen, noch über eine Flamme halten. Kratzige Kreise. Keine Linie. Nicht die Bohne.

[200711]

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“you have the guns – we have the magic”

 

Über eine Begegnung mit einem Heiler.

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Malawi. Jenseits des Lustprinzips.

Es ist der Juli des Jahres 2018. Ich befinde mich auf einer Forschungsreise, inmitten einer Gruppe von Psychotherapiestudentinnen. Wir landen in Malawi, einem der ärmsten und damit vielleicht auch der rückständigsten Binnenländern Afrikas. Der Flughafen wirkt dörflich, fast schäbig. Nicht bedrohlich. Wir passieren die Grenzkontrolle ohne grosse Komplikationen, schlüpfen so fast widerstandslos in eine Atmosphäre, die gleichzeitig einen zivilisatorischen Quantensprung, so etwas wie eine Parallelwelt darstellt. Wenn die Uhren ticken, dann tun sie es mit Sicherheit anders hier. Der Anspruch ist die einer Zeitreise: die Erforschung der traditionellen afrikanischen Heilkunst steht auch für eine Reise zu einem Punkt in der Vergangenheit, einer Zeit als die Menschen an Geister und Dämonen glaubten, sich vor ihren toten Ahnen mehr oder weniger bewusst fürchteten. Dass dies nicht so ist, dass dieser Entwicklungsschritt, in dem wir uns von dem was landläufig als Aberglaube bezeichnet wird, dem magischen Denken, nur ein scheinbarer ist, erlebe ich gerade in diesen Tagen, wo ein Patient nach der Sommerpause von seiner ‘neuen Phobie’ berichtet. Seiner Aussage folgend, hat er, nachdem er mit dem Rauchen aufgehört hat, Schwierigkeiten einzuschlafen wenn sein Partner die Nacht woanders verbringt. Alleine im dunklen kann er sich von der Überzeugung nicht lösen, dass irgendwas, ein Wesen unbestimmter Art, sich in der Wohnung aufhält, ihn sozusagen beobachtet, was ihm beim Einschlafen hindert. Auf der Realebene weiss er dass dies nicht möglich ist, seine Seele kann aber von dem Gedanken nicht loskommen. Gleichzeitig aber nicht mit der ‘Phobie’ gekoppelt, sinniert er über den Ort, das Haus sei vielleicht auf einem Friedhof errichtet, es könnten Geister ihr ‘Unwesen’ treiben. Dem jungen Mann kann man sonst mit Bestimmtheit keine Weltfremdheit attestieren, er steht mit beiden Beinen im Leben, nimmt an der Kultur seiner Zeit aktiv teil. Geister, Dämonen, Gespenster, Hexen, Zauberer sind nicht nur seit jeher ein Teil der Mythologie des Menschen, auch in der Welt der Kinder bilden sie wiederkehrende Motive, von denen eine mystische Faszination ausgeht. Wir werden sie nicht los. Sie sind da, warten auf ihren Auftritt, auf ihre Chance. In der Psychoanalyse ist es ein wohlgekanntes Phänomen, für das bereits Erklärungsmodelle vorliegen. Magisches Denken, Projektion, die Verwandtheit von Wunsch und Angst sind Begriffe und Konzepte, die uns erlauben die Arbeit der Psyche bei der Produktion von solchen Fabelwesen zu verstehen. So auch bei meinem Patienten, der sogleich nach der Präsentation seiner ‘Phobie’, scheinbar zufällig begonnen hat über seine Grossmutter zu berichten. Diese sei vor Jahren an Brustkrebs verstorben. In diesem Moment musste ich an seine erste Deklaration denken, das Zigarettenrauchen betreffend. Es sei meine Hypothese, dass hier ein unbewusster psychischer Zusammenhang besteht. Nun will ich aber aus dem Land der Geister berichten, aus einem Land, wo es gegenwärtig einen aktiven Konflikt zwischen traditionellen Heilern und modernisierenden Kräften, die sich die Überwindung des Aberglaubens zum Ziel gesetzt hatten, herrscht. Je ferner wir von dem Staub der Ballungszentren gekommen waren und in den Staub der Steppe eintauchten, desto mehr hatte ich das Gefühl, in eine Welt von archaischen Seelenzuständen anzukommen. Heute ist eine Mischung mir unbekannter Kräuter ein Teil meiner Küche, sie ist ein Teil meiner Kost geworden, nachdem ich in einer rituellen Heilungszeremonie von einem Heiler behandelt wurde. Er gab mir etwas, etwas, das ich annahm, er tat mit mir etwas, etwas das ich ansatzweise verstand, tief in mir aber erlaubte zu fühlen, in mir zu ‘räsonieren’ und nun lebe und koche ich damit. Ich sah Frauen, die sich in Ekstase zu Boden warfen, Männer in unerklärlicher Trauer, Resignation, Heranwachsende voller Stolz und Kränkung, junge Männer die davon träumten Piloten zu werden, die ihren Neid auf eine idealisierte westliche Kultur zu kaschieren oder zu sublimieren versuchten aber ihre orale Bedürftigkeit nicht zu stillen vermochten. Vieles von dem war zunächst befremdend und dann rührend und herzzerreißend. Wo war ich gelandet? Leid und Neid in nächster Nachbarschaft, ich vermochte all das nicht mehr zu verklären, dafür kamen die Eindrücke viel zu direkt, waren die Kontraste zu scharf. In mitten all dem standen die Persönlichkeiten der Heiler wie Säulen, die eine relative Festigkeit zu besitzen schienen, um nur im rechten Moment den besuchenden Beobachter dann doch zu enttäuschen. Auch sie hatten eine Agenda, zeigten ihre Bedürftigkeit. Geld für dargebotene Inszenierungen, Gegenleistungen. Die komplexeste Inszenierung kam von einem Mann, den wir dann unter dem Namen Muwela kennenlernten. Er, der Ruhm und Ehre verkörperte, stach auch unter den Heilern noch ein Stück hervor. Er war es der schaffte sich auf die unglaubliche Höhe zu erheben und uns fast schon von oben herab zu empfangen, zog uns in seinen Bann, machte uns für eine Zeit abhängig und zu einem guten Grad auch hörig. Wir hörten ihm zu, kamen immer wieder, tuschelten, während wir ihn verehrten. Muwela. Ein Zauberer. Und nun sitze ich da, am Ende der zweiten Dekade des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Die Vereinten Nationen haben soeben eine weitere warnende Prognose bezüglich der Zukunft unseres Planeten veröffentlicht. Meldungen solcher Art häufen sich, die allgemeine Aufmerksamkeit richtet sich auf den bedrohlichen Zustand der Atmosphäre. Eine gewisse Unruhe. Das was ich dagegen hier vorhabe ist es, sich mit einem einzigen Menschen zu widmen.

Es ist nicht leicht, sich auf die Erlebnisse mit einem einzigen Menschen, von dem noch niemand etwas gehört hat, der in einem entfernten Land seinen Kampf gegen die Marginalisierung, gegen die Windmühlen führt, sich zu konzentrieren. Er ist einer, der seine antiquierte Kulturpraxis gegenüber einer schieren Übermacht verteidigt. Er ist ein Lebender, der die Spuren längst einer längst verloren gegangenen Psychologie in sich trägt, diese gegen aller Wahrscheinlichkeit verkörpert und praktiziert. Wer waren wir? Wo kommen wir her? Was ist in uns? Wo gehen wir hin? Domine, quo vadis?

Meine Hoffnung dabei ist, aus dieser singulären menschlichen Begegnung Sinn und Bedeutung gewinnen (destillieren) zu können, die auch in dieser heutigen, bedrohlich wirkenden gesellschaftlichen Kontext einen Beitrag zu dem leisten kann, zu erkennen, was es bedeutet Mensch zu sein, Teil der Menschheit und dessen nur teils bewusstem Kulturprojekt zu sein.

Die Fragen, die sich in diesem Aufsatz stellen sind sprunghaft und fragmentiert. Mehr als den Konventionen der wissenschaftlichen Arbeit verpflichtet, folgen der Text der Logik der freien Assoziation und baut auf der Aufarbeitung einer singulären intersubjektiven Erfahrung auf.

 

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Über die Gegenübertragung, die sich in den Begegnungen mit Dr. Muwela ausgebreitet hat zu schreiben, bedeutet, auch einmal, vieles beiseite zu lassen; Gesagtes, das was man die Lehre nennen könnte, auszuklammern. Nicht zu berühren, nicht zu wiederholen, der Verlockung nicht zu erliegen. Denn es ist so: das Gesagte kam mit einer unerwarteten Intensität und Behrührungskraft, übte eine Anziehung auf uns, westliche Besucher aus, war geladen mit Zitierbarem, Lehrreichem und Polemischem, als wäre unser Hunger nach Neuem, unser Durst nach Wesentlichem schon auch in den zahlreichen, mehrstündigen Monologen des Dr. Muwela in einiger Voraussicht bereits bedient worden. Man könnte sagen, wir hangen an seinen Lippen, waren passagenweise wie paralysiert. Was jedoch was dieser Hunger und wie wurde dieser bedient? Wie wurden wir in das Bezugssystem des Heilers eingearbeitet? Diese Fragen sind nicht einfach, sie entziehen sich zunächst einer Klärung.

Bezogenheit – Bindung – Entbindung – Wendung – Verwendung – Abwendung

Wir trafen den Heiler in zwei Etappen unserer Reise, wobei die erste Etappe sich zu einer Sequenz von täglichen Besuchen über mehrere Tage ausdehnte. Eine örtliche und persönliche Bezogenheit konnte sich so entfalten. Wir wurden Teil eines rituellen Festes, eines Vimbuzatanzes, die in sich eine tiefe Bindung zu der Gruppe von Menschen, die daran teilnahmen schaffte. Diese Menschen nahmen uns scheinbar auf. Die Kommunion, die unter der Schirmherrschaft und Leitung von Dr. Muwela arrangiert wurde, die erste einer Serie von solchen Liturgien, wurde zum Massstab, an dem die später folgenden gemessen wurden. Wir zögerten die Entbindung soweit es unser Reiseplan zuliess hinaus, kehrten immer wieder an den Ort zurück. Gleichzeitig waren wir mit der Suche nach den richtigen Instrumenten, mit der wir zu einer Verwendung unserer Eindrücke gelangen könnten. Der Konsens war: wir sind Teil von etwas Besonderem geworden, auch wenn wir mit Erklärungen dies nicht zu fassen schienen. Was war es? War es echt? Sind wir ihm auf den Leim gegangen? Können wir uns erlauben, das Erlebte unkritisch zu einzuverleiben? Der Mann im Trenchcoat und den Cowboystiefeln schien nicht zu dem Mann im weissen Messgewand zu passen, es klafften Lücken, die wir aber auch vielleicht gebraucht hatten, um uns vor der Hingabe zu schützen.

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Das Anwesen – oder wie Dr. Muwela eine väterliche Distanz schaffte.

Die Örtlichkeit, an dem wir Dr. Muwela begegneten umfasste seinen Lebens- und Arbeitsort. Auf einem hängigen Gelände, gelangten wir über einen Feldweg zu einer Anlage, die wie eine Enklave wirkte. Wälder und Felder trennten das Grundstück vom Rest der Welt. Am Ende des Schotterweges, zunächst verfuhren wir uns, kamen wir an ein Gebäude, dem Wohnhaus von Dr. M und seiner Familie. Vom Vorplatz des Hauses eröffnete sich dann der Blick auf eine Schar von weiteren Gebäuden, die hangabwärts mehr oder weniger in der Landschaft verstreut waren und die der Heilkunst – also der Arbeit gewidmet waren. Dr. Muwela verfügt über einen Tempel (Gruppentherapie) mit angeschlossener Apotheke, und über einen Praxisbau, wo er die Patienten ambulant und einzeln behandelt. Konzentrisch um dieses Heilzentrum sind klinische Bauten: eine Penumbra von Hütten samt Gärten, sowie eine zentrale Küche. Hier leben und wohnen die Patienten, die stationär aufgenommen sind. Die Verteilung der Bauten in der Topographie hebt eine Art von Trennung zwischen Privat als Ober- und Gemeinschaft als Unterstadt hervor.

Es kam der Tag, an dem Dr. Muwela keine Zeit für uns hatte. Nachdem wir uns durch die wiederkehrenden Besuche an die Audienzen in seinem Wohnzimmer gewohnt hatten, passierte es, dass wir zwar willkommen waren, aber der Heiler eben sich seinem Geschäft widmen musste. Seine Abwesenheit kam mir wie eine Zurechtrückung des Verhältnisses zwischen dem Hausherr und seinen Besuchern vor. Alles um uns herum war bereits, in den vorangegangenen Interviews mit ihm, erklärt worden. Nun befanden wir uns plötzlich am Gelände, waren angehalten unsere Forschungen zu betreiben. Es war eine Immersion, ein Eintauchen, oder Eingetunkt-werden, die mit einem Gefühl des Ausgesetzt-seins verbunden war. Er war nicht da, er empfing uns nicht, und ich fühlte mich etwas verloren, ging zunächst durch die Felder, erkundete die Grenzen des Grundstücks, suchte die Stille. In der Abwesenheit spürte ich, kam diese, seine leitende, führende und ordnende Rolle zur Geltung. (das unstrukturierte Erlebnis, basic assumption dependence)

Nach dieser depressiven, suchenden Episode kehrte ich (der verlorene Sohn des verlorenen Vaters) wieder in das, was man als das Geschehen bezeichnen könnte wieder. Zunächst sah ich wie meine Kolleginnen mit einer Schar von Kindern sich auseinandersetzten und gesellte mich dazu. Nach und nach brachte ich mich ein. Wir, die Kinder, das war auch die bezeichnende Metapher der Gruppendynamik des studentischen Teils der Forschungsgruppe. Wir sassen am Boden, ein Dutzend 5-9 jährige, die am Hof lebten, 4 Studentinnen, begannen auf den mitgebrachten Blöcken uns über Zeichnungen zu verständigen. Allmählich verwandelte sich die Interaktion in ein gemeinsames Trommeln, als dann plötzlich ein junger Mann, Anfang 20, sich dazugesellte. Sein Erscheinen wirkte auf mich zunächst wie ein Eindringen, hat etwas Bedrohliches gehabt. Die Geste, mit der er den Plastikkübel auf den wir mit den Kindern trommelten übernahm war von männlichem Stolz geprägt: Jetzt wird er es uns zeigen. Wer ist er? Mann oder Kind? Und so begann meine kurze, jedoch intensive Bekanntschaft mit Richard Banda, der, wie es sich herausstellte der begnadete Musiker war, der auch während der Vimbuza Zeremonie eine führende Funktion unter den Trommlern inne hatte. Das Wesentliche, das ich aus dieser Begegnung herausstreichen möchte ist die Tatsache, dass während der Aufenthalte im Heilzentrum von Dr. Muwela die meisten der Mitglieder der Forschungsgruppe ein Individuum, vielleicht ein Pendant, gefunden hatte, mit dem er oder sie eine auf Identifikation basierende Beziehung aufbauen konnte. Dr. Dietrich-Neunkirchner widmete sich der Frau des Heilers, Herr Döll kam mit dem Sohn von Muwela in Kontakt, Frau Komac mit der Tochter, und ich eben mit Richard Banda, dem tragischen, von Kränkung und Depression geplagten Künstler, einem vielleicht verstossenen und gekränkten jungen Mann. All diese Begegnungen waren naturgemäss überschattet von der Präsenz und oder Abwesenheit von Dr. Muwela. Wir kamen alle an den Moment, wo wir spürten: wir kommen unseren Pendants zu nahe, erreichen einen Moment des Verbotenen, spürten wie diese Nähe etwas Gefährliches, wenn auch nicht für uns, werden könnte und hatten latente Angst von den Repressalien. Würde er uns schelten? Wird er böse oder gar wütend? Droht ein Liebesverlust? All diese Gefühle deuteten auf die Präsenz eines väterlichen Objektes, das so archaisch und vergangen wirkte, dem wir uns so gut wie möglich mit Rationalisierungen entziehen versuchten, das auf einer basalen Ebene aber doch nicht ganz zu entlassen schien. Ich für meinen Teil wurde in eine Situation geführt, in der ich mit Richard Banda auf dem Platz begann Tanzschritte zu üben, er zeigte mir seine Choreographie und ich liess mich darauf ein, vergass die Zeit, und musste dann ermahnt werden, dass es nun Zeit ist sich wieder im Wohnzimmer des Heilers zu einer weiteren Begegnung, einer Audienz, zu versammeln. Ich kam zu spät, spürte meine Verlegenheit in Folge der Ausgelassenheit, die ich im Tanz aufsog, fühlte mich ertappt und schuldig, bemerkte wie ich Trotz und Rebellion gegen den Mann, den ich nun als einen Patriarchen empfand entwickelte. So konnte ich mich über ein gefundenes Avatar in das Bezugsystem des Anwesens einfühlen, hatte etwas oder jemanden gefunden, mit dem ich mich auf eine Art und Weise identifizieren konnte, die eine ganz besondere, vorgefertigte und präzise  Position gegenüber dem Heiler mir eröffnete. Die Rolle die mir dabei zufiel, war die des gescheiterten, tragischen Sohnes, der darunter litt, dass er es nicht fertigbrachte, das ihm gegebene Talent für sein eigenes Weiterkommen zu nutzen. Ich kannte und kenne solche Leute aus meinem Leben, vielleicht ist es auch mein eigenes Schicksal, das ich so wiederentdeckte. Richard Banda fand eine Verwendung am Hof, eine Duldung, durfte sein, halb Kind, halb Erwachsen. Das Thema beschäftigt mich noch immer, sowohl in der Arbeit mit Patienten als auch in meiner eigenen Entwicklung. Es wird einem etwas gegeben, das von den anderen als etwas Aussergewöhnliches angesehen wird, als etwas aus dem man etwas machen kann, ein Talent. Was ein Talent ist, was eine aussergewöhnliche Fähigkeit, wieso es sich herausbildet, und wie man eine psychische Struktur entwickelt, die es einem erlaubt, dieses Talent auch zu meistern, zu verwirklichen, in einer Welt, die zwischen Zuständen der Nichtbeachtung und der Euphorie oszilliert, die einen braucht und auch nicht, das Schicksal dieser jungen Männer aber auch der Frauen, die können und wollen und auf das Dürfen hoffen, das sind Fragen, an die ich in dieser Begegnung in der Peripherie von Dr. Muwela wieder erinnert wurde.

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Le nom du père (die paternale Funktion)

Muwela – Dr. Muwela – der Name des Heilers, so scheint es, hat sich im Bewusstsein der Gruppe besonders ausgeprägt festgesetzt: Wir sprechen noch oft über die Erlebnisse, die mit seinem Namen verknüpft sind – sein Name fällt oft, wirkt familiär, ikonenhaft. So war es für mich ein heiterer und verblüffender Moment, als ich meine Feldnotizen wieder las und an der Stelle ankam, wo die ersten Begegnungen mit dem besagten Heiler festgehalten wurden – da wird er zunächst noch als ‘der Heiler’, ‘der Mann’ usw. beschrieben – seinen Namen hatte ich nicht, noch nicht festgehalten. So wirkte das Geschriebene dann bei der Revision: naiv. Es gab also eine Zeit bevor ich ihn, seinen Namen gekannt hatte. Der Name, bei dem einer gerufen wird, der Name der einen Identifiziert, der einem Geltung verschafft, der Name der seine Herkunft, seine Abstammung, also auch seine Legitimation bereithält, der einem dann auf den Grabstein gemeisselt wird, ist auch das was man hinterlässt: Man lebt solange man nicht vergessen wird, solange der Name für etwas steht, sei es ein Werk, ein Begriff, eine Idee, ein Gesetz. Es besteht eine wechselseitige Beziehung zwischen dem Vollbrachten, dem Geschaffenen und dessen Erzeuger. Das Newton’sche Axiom, die Napoleonischen Kriege, die Lutherischen Thesen, die Heisenberg’sche Unschärferelation, sind Verbindungen, wo wir auf der einen Seite angehalten sind, das Vollbrachte anzuerkennen, weil diese unumgänglich, faktisch oder nützlich sind, auf der anderen Seite die Gravität der Sache durch den Akt des Schaffens, des Zeugens, dem Willen eines Menschen abstammend, hervorgehoben zu sein scheint. Dr. Muwela ist der Schüler Chikangas, der als grosser Heiler der postkolonialen Epoche beschrieben wird, einer der dem Staat gefährlich wurde, ins Exil gehen musste, und dessen Name weithin bekannt ist, vielleicht sogar verehrt und respektiert wird. Der Mann der vor uns sass wirkte bestimmt, potent, seine Stimme donnert, seine Erscheinung auf Wirkung bedacht. Eines Tages präsentiert er uns seinen Zwillingsbruder, der wie eine verkümmerte Variante von ihm selbst erscheint. Mitleid, und die Frage: wie hat sich genau dieser Mann, der nun so selbstsicher redet, so aus der Menge heben können? All diese Momente verstärken den Glanz seines Namens. Ich phantasiere von einer Rückkehr, von einem Pakt, davon ihn nach Wien einzuladen, seine Medikamente hier zu vermarkten, ihm bei der Logistik zu helfen, mit ihm in den Wald zu gehen und Heilkräuter zu sammeln, in seine Magie eingeweiht zu werden. Am Ende, nachdem er mich aus der Menge gehoben hat, mir den Besitz des Vimbuza attestiert hat, gibt er mir seine Visitenkarte mit seinem Namen und Telefonnummer. Der Name des Vaters. 

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Gewissheit und Heilung.

Bestechend an den Begegnungen war ein Auftreten, welches (in der Erscheinung) durch die Abwesenheit von Ambivalenzen (Zweifeln) war. Er sprach darüber, wie die Dinge sind, antwortete auf jede Frage, wobei die gegebenen Antworten in ihrer Natur Klärungen zu sein schienen, in der Art, wie ein Vater dem fragenden Kind die Welt er-klärt. Ich spürte, dass Widersprüche hier nicht ‘geduldet’ werden: weder in den Gedankengängen, da dies, so könnte es sein, der eigentliche Nährboden für dunkle Magie, Verwünschungen usw. sein könnte, noch in der Konversation, in der Interaktion selbst. Der Duktus seiner Rede war betont energetisch, leidenschaftlich, und auch wenn Fragen gestellt wurden, (Who of you believes in God?), dann um ein Argument taktisch zu unterstützen () (das Wort zu behalten).

Ich erlebte mich als devot und aggressionsgehemmt. Ein Teil hat sich dem Gesagten hingegeben, meine Fähigkeit, mich rational und kritisch zu distanzieren schien eingeschränkt. Als ich dann zu reden begann, die Intention eine Frage zu stellen, begann ich mit einer langen diplomatischen Verklausulierung, in der Art der Hervorhebung der Tugenden des Gegenübers. Ich hörte mir selber beim Reden zu und merkte dass ich in eine Art Lobpreisung verfallen war, was dann darin mündete, dass ich meine eigentliche Frage vergass.

Wenn man auch über alle möglichen Fakten ja endlos auch streiten kann, so wurde auf der affektiven Ebene etwas transportiert, das ich als allererstes als ‘innere Überzeugung’ registriert hatte. Er sprach wie ein Politiker. Ich spürte welche Frage ihn interessierte, welche ihn kalt liess.

Das Gefühl, mit ihm in einen Dialog treten zu wollen glich einem Bedürfnis, wahrgenommen zu werden. Ich will dass er mich sieht, dass er mich anerkennt und sehr wahrscheinlich hab ich mir gewünscht, so einen Vater zu haben. Denn er schien sicher in dem was er sagte, einer der richtete. Richten, die Richtung angeben, das Richtige zu tun, die mannigfaltigen Bedeutungen dieses einen Wortes schien er gut in seiner Person versammelt zu haben, und so wirkte er nicht nur gerichtet, mit einer Klarheit wo vorne und hinten sei, sondern auch, dafür sprach schon die bauliche und soziale Anhäufung um sich, auch einer der sein Werk zu verrichten vermag. Die Fragmente, die wir aus seiner Heilpraxis erfahren haben sprachen eine ähnliche Sprache. Er berichtete von einem Fall, wo es um eine angebliche Verhexung einer jungen Frau ging. Die Angehörigen brachten sie zu ihm, er solle sie doch richten, also wieder funktionsfähig machen. Das an sich ist ja noch nichts ungewöhnliches im Kontext der Heilung, was jedoch aus der Art und Weise wie diese vorgenommen wurde, erschien die Vorgangsweise der Art der Wahrheitsfindung die wir im System der Gewaltentrennung eher aus dem Judikativen kennen. Die eigentliche Frage lautete: Was ist wirklich passiert? und richtete sich gegen die Bannung des Ungewissen, des Mysteriösen. Im Zuge der Falldarstellung wirkte es so, als würde er seine Autorität dazu einbringen, Zweifel und unreflektierte Affekte, die sich aus dem Nicht-aushaltenkönnens der Ungewissheit speisten durch die Enunziation von Wahrheit zu bannen, Gewissheiten, an denen alle festhalten können zu kreieren. Sein gesamtes Wesen schien diesem Unterfangen untergeordnet und so war es für mich, der kritisches Denken mit dialektischem Hinterfragen gleichstellt, also dem zweifeln eine durchwegs generative Fähigkeit zumisst, doch etwas befremdend, mit so viel Eindeutigkeit konfrontiert zu werden. Es hat etwas gebraucht, bis ich verstanden hatte, dass wir uns hier in einer Kultur befinden, in der die Unsicherheit und Ungewissheit gepaart mit prälogischem, magischen Denkmuster, eine destabilisierende Wirkung auf inner psychische wie auch auf gruppendynamische Prozesse zu haben scheint. Gewissheit im Sinne der paranoid-schizoiden Position, spalten und Schwarz-weiss-denken erschien in diesem Kontext als eine Methode, Feuer mit Feuer zu bekämpfen, etwas das als Erkenntnis, durchaus sympathisch zu sein schien.

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Wenn ich den Versuch unternehme, die Gegenübertragung, die eine Person in mir ausgelöst hat, zu beschreiben, dann bin ich mir dessen bewusst, dass ich hierbei ein Instrument zur Anwendung bringe, das dem konzeptionellen Werkzeugkasten der Psychoanalyse entnommen ist, also dem einer Wissenschaft, dessen Postulate um das Vorhandensein von wirksamen jedoch dem Bewusstsein unzugänglichen psychischen Vorgängen gruppiert sind. Der unzugängliche Forschungsgegenstand, dessen ausgesprochene und angenommene Unsichtbarkeit und Unerreichbarkeit ist das, was die Psychoanalyse (unter den Wissenschaften) auszeichnet.

Die Frage, die bei psychoanalytischen Betrachtung der zu untersuchenden Phänomene auftaucht, ist: Was geht da wirklich vor sich? Unter der Annahme, dass das, was wir zu sehen bekommen sind oberflächliche Erscheinungen, Abbilder sind, die auf einer verschlüsselten Weise mit darunterlegenden, treibenden Prozessen in Verbindung stehen. Die Forschungsarbeit besteht daraus, die chiffrierten Verbindungen nachzuvollziehen und somit vom Wirklichen zum Wirkenden vorzudringen. 

Die Grundfrage der Gegenübertragungsanalyse ist die: Was macht es mit uns? Was macht etwas, eine Szene, eine Handlung, die einer Person oder einer Gruppe, mit dem fragenden Beobachter? Welche affektiven Regungen treten im Zuge des ‘Bei-seins’ bei diesem auf? (Und, in weiterer Folge, wie können diese registrierten Eindrücke wiederum Rückschlüsse auf verborgene Impulse, die das Beobachtete antreiben, geben?)

Diese, ist eine sehr basale Frage: Was macht es mit uns – und trägt, unzweifelbar, eine mystische Konnotation in sich. Denn ist es nicht die gleiche Frage, die die Menschen, deren Erklärungsmodell magische Kräfte beinhaltet, also Magie, Verwünschungen, Ahnengeister und dergleichen, sich in gewissen, wahrscheinlich in den bedrohlich wirkenden, Situationen, wortgleich stellen? Was hat er uns angetan? Was tut er mit uns? Was macht es mit uns? Und letztendlich auch: Wieso hat er das getan, wieso ist mir das passiert? Warum hat mich dies oder jenes (Unglück) ereilt?

Spätestens seit der Ausweitung des Konzeptes der projektiven Identifikation von einer Phantasie, die als innerpsychischer Abwehrmechanismus in einem Individuum wirksam ist zu einem intersubjektiven Konzept, dem die Fähigkeit in einem Empfänger mehr oder weniger tatsächlich eine Wirkung zu entfalten zugesprochen wurde, im Zuge welcher der Empfänger etwas, eine ihm fremde Gefühlsregung zwecks Aufbewahrung eingepflanzt bekommt, hat sich in die Psychoanalyse ein Quäntchen Gedankengut Einzug gehalten, das in seiner Natur dieses (das oben angesprochene, magische Denken) archaische, als paranoid aufzufassende Muster besitzt, welches es mit den Urformen des Denkens verbindet.

Ebendiese Verbindung oder Ähnlichkeit, das sich wie eine Form der Ungewissheit in unserer Forschungstätigkeit sich fühlbar gemacht hat, war es somit auch, das mir sodann auch einige Schwierigkeiten bereitet hatte. Die Annahme war: Es macht etwas mit uns, aber ich weiss nicht was. Die Bezüge (Wechselwirkungen) und Parallelen, die zwischen den einzelnen Domänen der Forschung: dem Feld (auf der einen Seite) und der Dynamik der Forschungsgruppe (auf der anderen Seite) fühlbar wurden, schienen sich zu häufen, entzogen sich aber den Erklärungsversuchen, und so blieben wir (blieb ich) mit dem Gefühl der Verwirrung, dem Gedanken, beeinflusst worden zu sein, ohne aber genau zu wissen wie und wodurch, übrig. Hierbei waren ganz prominent Gefühle von Neid, Eifersucht, Rivalität, die sowohl um uns herum, das soziale Gefüge des Feldes, aber auch zwischen uns, in der Forschungsgruppe, ungebändigt sich zu entfalten schienen.

In den Gesprächen mit Dr. Muwela hatte ich das Gefühl, dass ich dem Wesen dessen, wonach wir in dieser Reise suchten, nämlich der Wirkungsweise von traditioneller afrikanischer Heilkunst habhaft zu werden, von allen Begegnungen am nächsten gekommen bin. Diese Art des Heilens bedient sich, oberflächlich betrachtet, einem Vokabular, das dem magischen Denken des Menschen entstammt. Es herrscht ein System von unsichtbaren Kräften und Entitäten, bei der man zunächst einmal vor die Wahl gestellt wird: nimmt man diese wörtlich, als tatsächlich existierende, uns aber verborgen bleibende übernatürliche Dinge und Abläufe, oder versucht man diese als Metaphern zu sehen. ((die auf einer symbolischen Ebene vielleicht andere Dinge wie seelische Impulse abbilden)) Ich neigte eher zur zweiten Variante: Kann es sein, dass das was wir als Magie präsentiert bekommen, eine andere Sorte von Metapsychologie ist, das, wenn genau betrachtet, dem westlichen Bio-psycho-sozial-modell in dem Sinne verwandt ist, da es sich bemüht Pathologien, die sich in dieser Matrix ausbreiten, Herr zu werden? Mit dieser Hintergrundfrage lauschte ich Dr. Muwela bei seinen Erklärungen. Dr. Muwela antwortete auf jede unserer, durchaus vielfältigen, Fragen, verstand auch, so mein Gefühl, jede Frage in gewisser Weise für sich zu nutzen. Ob er schon einmal einen Spirit gesehen hätte. Was die Krankengeschichte des Patienten, dessen Heilung wir am Vorabend beiwohnen konnten sei. Wie man Vimbuza-heiler wird. Er beherrschte die englische Sprache, so wie er die Diskussion beherrschte, man könnte meinen, ihm war es wichtig beherrschen zu können, was in der Forschungsgruppe (natürlich) unterschiedlichste Reaktionen ausgelöst hat. (Mehr zu dem an einer anderen Stelle) Mir war es nicht klar, ob es ein herrschen wollen oder ein herrschen müssen ist, denn ich glaubte beides zu erspüren. In dem, wie er jede noch so naive Frage aufnahm, und Worte dazu spendete, war es, als müsste er etwas zusammenhalten, das droht auseinander zu fallen: Er spendete nicht nur Worte, er flickte Ungewissheiten der Fragenden. Hier verstärkte er die Mystik, dort hob er die Konflikthaftigkeit der Menschen hervor, umriss so (einem katholischen Priester nicht unähnlich) verschiedene Dimensionen seiner Lehre. Natürlich, manchmal wähnte ich seinen Zorn zu spüren, Indignation, Ungeduld, andernorts seine Leidenschaft, die sich doch bei den Fragen zu entzünden schien, die die soziale Ordnung, Moral und Gerechtigkeit berührten. Dies machte mich stutzig. Ist es nicht so, dass Individuen, denen selbst eine Ungerechtigkeit zuteil wurde, aus der dann eine konstitutionelle, charakterbestimmende Kränkung erwuchs, diejenigen sind, die dann, nach erfolgreicher Bewältigung der Krise, eben so ein Hass auf das Gemeine im Menschen entwickeln?

Glauben, Überzeugung und die gerechte Sache, Dr. Muwela machte den Anschein eines Mannes, der in der Position ist (gelandet oder gesteckt), eine gewisse, seine eigene Person transzendierende Verantwortung (aufgelastet) zu tragen: Bestimmung, Bestimmtheit, ein Hirte.

Neulich hatte ich eine Begegnung mit einer Schafherde. Es war ein sonniger Nachmittag und ich hatte das Glück, ziemlich ungestört und alleine im Garten des Anwesens eines Bekannten zu sitzen und mich einer gewissen Unbestimmtheit hinzugeben. Die Tiere konnten sich frei in dem umzäunten Anwesen entfalten. Ich merkte, wie sie mal hier mal dort am Gras zupften, sich ausbreiteten und wieder sammelten. Obwohl das Gelände ihnen geläufig erscheinen musste, da es ihr ständiges Habitat darstellte, merkte ich wie sie von Zeit zu Zeit in Situationen der Bedrängnis gerieten, sich Angst und Verzweiflung in ihr Verhalten mischte: sie schienen sich zu verirren, zu verrennen, und verhädderten sich an den Gegebenheiten. Meine Position wurde dadurch als die eines wissenden, erkennenden Beobachters, der sich verleitet sah den so in eine relative Not geratenen Tieren zu Hilfe zu kommen. Ist es so wie sich ein Hirte fühlt – drängte sich die Frage auf.

Die Metapher des Hirten als eines Wesens, der einer Gruppe oder Herde zusieht, ihre Not, die sich aus der Beschränktheit und Verstricktheit der Perspektive der Einzelnen ergibt, erkennt, ist (durchaus) in der biblischen Tradition verankert. Einer, der befreit, wird kommen. Obwohl Freud in seinem Aufsatz über Massenpsychologie feststellt, dass er so etwas wie einen Herdentrieb, wie von Trotter postuliert, nicht feststellen kann, ist und bleibt eine gewisse menschliche Erfahrung, die zumeist bei Individuen, die einen Grad der Abgesondertheit, Immunität oder Autonomie gegenüber einer Gruppe, die sie beobachten, innehaben, dass diese, die Gruppe, sich in unbewältigbare, widersprüchliche Verhaltensweisen (Dynamiken) verstrickt (und verhäddert), und der Beobachter somit zu dem Schluss kommt: ‘Denn sie wissen nicht was sie tun.’

In diesem Gleichnis ist auch die scheinbare Rolle oder Position des Dr. Muwela zu erkennen, als einer, der wie ein Schlichter oder Ordner in einem sozialen Gefüge fungiert. Wenn dem aber so ist, wie stellt er demnach die notwendige Verbindung zu der Gruppe her? Woraus bezieht er seine Wirkmächtigkeit (Autorität, Glaubwürdigkeit)? Was sind seine Werkzeuge und Instrumente? Es erscheint, dass er in seinem Wirken dem Denksystem der anderen anpassen muss und dieser erscheint durch das Vorherrschen von magischen Zusammenhängen geprägt zu sein, also bleibt ihm nichts anderes übrig, sich dieses System zu bedienen, vielleicht zu kultivieren. Das Äquivalent der verrannten oder am Zaun verfangenen Schafe ist an der Qualität des ‘Verhäddertseins’ festzumachen. Im menschlich sozialen Kontext könnten dies die Momente sein, wo zwischenmenschliche Beziehungen in zunächst unlösbare Konstellationen verfangen sind: Einem ist etwas passiert und macht dafür einen anderen haftbar. Streitigkeiten. Oder, einer braucht eine Erklärung, warum ihm etwas passiert ist, denn die Unsicherheit, die durch das Nichtwissen der Ursache entsteht, wird als bedrohlich erlebt, macht Angst.

Der Mensch strebt nach Erklärungen und wird immer eine finden oder konstruieren, eine die ihn überzeugt. Aus diesem Bedürfnis speist sich die gesamte Forschung, wissenschaftlich oder magisch. Die Tendenz, projektive Mechanismen zu benutzen führt dazu, einen anderen in der Gruppe als Grund des Übels festzumachen. Die Objektbeziehungstheorie beschreibt das Phänomen, die eigenen bösen Anteile in einen anderen auszulagern. Dies aber ist schädlich für den Zusammenhalt der Gruppe, und sind die einzelnen Teilnehmer auf einander angewiesen um zu überleben, so wird dadurch der auf Notwendigkeiten beruhende organische Zusammenhalt und damit die Resilienz der Einzelnen wie auch des Kollektvs automatisch herabgesetzt: Tödliche Desintegration droht.

Oft während den Begegnungen mit Dr. Muwela hatte ich das Gefühl, in nichts anderes zu blicken, als in die eigene kulturgeschichtliche Vergangenheit. Das, was ich sah, kam mir nicht so fremd vor. (( Es ist eine Zeit, in der dem Priester und der täglichen Ausführung der Theologie eine sozio-hygienische Funktion zufiel (inne hatte).)) Was bei den Gesprächen mit Dr. Muwela deutlich wurde war, dass sich der Kern der Problematik aus der Fähigkeit der Menschen ergibt, Gefühle wie Neid und Eifersucht gegenüber anderen zu entwickeln, woraus sich meine Frage entwickelte: Wie funktioniert das bei uns? Neid, Eifersucht und Gier schienen Dr. Muwela nahe zu gehen, Fragen in diese Richtung handelte er mit ausgesprochen deutlicher Leidenschaft ab und in diesen Momenten erschien er allzu sympathisch und menschlich. Ich fühlte eine existenzielle Verwandtheit zu ihm.

Gleichzeitig begann ich zu sinnieren über die Mechanismen in meiner eigenen Kultur, die diese Affekte in Grenzen halten. Wem gehört was? Wem steht was und wie viel zu? Wie funktionieren Aneignungsprozesse? Just in der Zeit registrierte ich, wie er begann, über den Einfluss der westlichen Institute und Dogmen zu klagen. Es gäbe Organisationen, im hohen Norden Europas, in Skandinavien oder Norwegen, so er, die sich das Ausmerzen von Aberglauben und traditionellen Heilmethoden in Malawi, einem der ärmsten Länder Afrikas, zum Ziel gesetzt hatten. Und diese verfügen über Geld, kaufen Einfluss, und ich begann mich zu fragen, ob es nicht eine dem Kapital innewohnende Fähigkeit ist, eben genau diese Fragen zu regeln, es sich also letztendlich um ein System handle, mittels welchem die gleichen sozialen Konflikte verhandelt werden. Man könnte dann die eingangs zitierte Formel wie folgt abändern: ‘You got the money, we got magic’, also, das was ihr mit Geld regelt, regeln wir mittels Magie. Geld und Magie, Geld und Zauber: Ob es wohl ‘wert’ ist, diesen Vergleich auszuarbeiten?

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02f :: TWIST N SHOUT

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Fig.: When one encounters an other it happens that they engage in throwing words at each other. Singing and shouting – shouting or shooting – we engage – we conclude: ‘Our engagement in Iraq…’ — A ‘Theater of operations’

 

Das grosse linguistische Projekt der Sinn-Suche — sense making — Sinn-Findung oder Sinn-bau mittels, oder unter dem Druck von, Sinnesorganen — ein vermeintlicher Versuch der Heilung? Heilung bedeutend mit aus dem Un-Heil herausfindend? Ein heilsversprechender Exodus?

Ein Versuch.

Die klangtönliche Verwandtschaft von Sinn und Sünde führt zu einem gewichtigen Problem der Erkenntnis, ob diese gleichzeitig nicht einen Leidensdruck entstehen lässt, ruft demnach die nicht unumstrittene Verbindung, die zwischen dem Leid und der bewussten Erfahrung postuliert wurde auf das Parkett der Auseinandersetzung: Sinnloses Leid? Sprachfähigkeit als Ursache geistiger Verwirrung? Selber schuld?

Philosophie als eine erste (fragend praktizierte) Therapie, die mittels Sprache versucht, die Welt in der Art zu ordnen, dass durch Sinngebung, sinngebende Verfahren, den Sinn aus dem Konglomerat der Möglichkeiten zu filtrieren, die ungebändigt, wie aus dem Nichts auftauchend, durch die vervielfältigte neuronale Vernetzung des menschlichen Wahrnehmungsapparates, wuchernd, auf den Geist hereinbricht und mit einer Überwältigung beginnt, bei der man zum Ausruf genötigt wird: ‘Wahnsinn!’.

Es bleibt oder entsteht sukzessive die Aufgabe (!) der Ordnung, die man vielleicht auch als einen langsamen Siebprozess veranschaulichen könnte, in Folge welcher das Sinnhafte, vielleicht das Nützliche oder das Heilende aus dem Überbordenden des Wahns, welcher vielleicht als die Menge von Allem, was möglich, also denkbar, sein könnte, den Rohdaten der sinnlichen Empfindungen, herausgeschält wird. Es muss viel verworfen werden und das Verworfene kehrt gerne in den privaten Universen wieder zurück (zum Vorschwein).

Hiernach könnte die Philosophie als eine evolutionäre Notwendigkeit verstanden werden, die den Versuch unternimmt, durch die senso-kognitive Revolution entstandene (beschleunigte), ins Bewusstsein drängende Vielfalt an Daten in ein relativ Widerspruchsfreies Weltbild zu raffinieren, der Flut Herr zu werden und so das Leid, das durch Unklarheit, Konflikt und Überwältigung entsteht zu lindern wobei der Utopie gefolgt wird, ein gesittetes, erträgliches Leben zu leben, welches als Konsequenz auch den Charakter der Zähmung – der erfahrungstechnischen Askese – mit und in sich trägt.

Der Sprache, die aus der ursprünglichen Matrix (lautgebenden Praktiken) von Singen, Brüllen und Stöhnen hervorgegangen ist und zu einem Vehikel von immer komplexer (und abstrakter) werdenden Botschaften und Inhalten (Symbolisierungen) geworden ist, kommt hierbei eine Position zu, die genau ihrem vermuteten Ursprung wegen einen direkten Bezug zum affektiven Erleben aufrechterhält. Der Schrei als ein Ausgangspunkt einer verlautbarten Äusserung eines dringenden affektiv geladenen Bedürfnisses erfährt im Laufe der Jahrtausende eine Umformung und findet demnach in den mannigfaltigen sprachlichen Gattungsarten ihr zeitgemässes (kanonisiertes) Pendant (Äquivalent?): das Gedicht, die Streitschrift, die Bedienungs- oder Benützungsanleitung, das Traktat, der Slogan, der Witz, die Liebeserklärung und nicht zuletzt die Verordnung und die Verfassung.

Wenn wir uns begegnen, kommt es dazu, dass wir uns Wörter an den Kopf werfen — und dies, der Druck, es zu tun — begründet sich in einer Art Regung — man könnte meinen, aus dem Bauch heraus. Wir (Menschen) sind spruchreif geworden. Wir spielen mit Schlamm, wir spielen mit Sprache. Es wird eine (mit Intelligenz gleichgesetzte) Absicht vermutet dort wo syntaktische Artikulation den Anschein eines Kalküls suggeriert: die Formulierungsarbeit wird mit kognitiver Abgeklärtheit gleichgesetzt (ein Kurz- oder Trugschluss?), die aber auch gleichzeitig die Verbindung zum affektiven Grundbedürfnis (Grundmotiv) verschleiert. Gefühlsbetonungen werden in (für diese vorgesehene) klar umzäunten Reservaten gehalten.

Die Frage die sich jedoch aus der Praxis der Heilung durch Sprachgebrauch oder auch Psychotherapie an der Basis stellt und eine philosophische Konnotation im Sinne der Klärung von Grundlegendem mitbringt ist die folgende: Wie kann man Gefühle denken? Ist das Gefühlte, das wir als Gefühl bezeichnen nicht schon bereits gedacht wenn einen Ausdruck erfahren hat? Liegen wir überhaupt richtig wenn wir der althergebrachten Dichotomie von Gefühlen und Gedanken uns leiten lassen? All diese Fragen erstrecken sich in einem Raum, der zwischen Un-Heil, Wahn, Heil und Sinn aufgespannt ist, und gewinnen in der Weise wieder an Bedeutung, als das diese in einer zunehmend von Gefühlen und deren Ausbrüchen ge- und verleiteten Welt gestellt werden.

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02e :: Wish-fulfilment, Anxiety, Architecture and the City.

 

Revisiting architecture.

These days one of my patients walks in into my office, looks around, appears in surprise or awe, begins to inspect a portion of the wooden structure panel that defines about the half of the room and asks: ‘is this new?!’ It is about his tenth session in a space that has not been altered since, yet it is today that he could expand his awareness (preliminary metaphor) to include a rather significant portion of the physical enclosure of the therapy session. I for my part find nothing strange in this process but acknowledge it as an ongoing process of discovery by recursion. Maybe last time it was not still there for him, but today it is.

Approaching the field of architecture, the psychoanalyst Christopher Bollas poses the question if something like an architectural unconscious could be postulated and if so, which would be the characteristics of such a thing. What follows is an investigation of the ‘reverberations’ between psychic intensities and built form. The city as an extension first of the womb but also of the motherly holding function, Bollas develops a matrix of life forms and death forms on one axis, and of maternal experiences and paternal order on the other. In this nested is the human experience of space and form, influenced by ever changing currents and flows and mixtures of these constituting dimensions. The situationist Dérive, visionary architecture, evocative and provocative objects, and the ways they are presented to the citizen-inhabitant are discussed. The unconscious is of course one of the key dimensions of psychoanalysis, it is a clear defined concept, out of which follows that significant, driving psychic processes are kept out of awareness and are overwritten by a posthumously applied narrative of rationalised motivations. The unconscious is a domain in which dreamlike processes, wishes, desires, fantasies, are bubbling in a state of preverbal and affective instinctual timelessness. Thus neither the architect nor the other affected or involved constituents of an architectonic project can ever be able to fully grasp the full extent in which they are linked and affected when exposed to architecture. Houses we lived in, rooms or landscapes we inhabited inadvertently are mirrored in our psychic structure: They acquire significance, leave traces, remain as patterns against which maybe later experiences are gauged. There are those that we can name and there are those which remain as ambient intensities and this in itself is of significance. Fantasies of phallic displays, excretions, giving birth, identification, death, dependency, rivalry, survival, sadism and masochism, omnipotency and impotence are projected upon and activated within the realm of architecture and further inscribed and partially made a bit more explicit in our myths. The haunted house, the gingerbread-house, the tower of Babel, all sorts of sacred or sacrificial buildings and sites, tombs, cemeteries, coliseums, statues of liberties, death camps, dungeons, psychiatries, clinics, panopticons, super-strips, shopping-malls, airports.
The delirium in the wake of mechanisation, of the elevator, the practice of segregation and articulation, the work of Koolhaas and Foucault are attempts to make legible the psychic processes on the level of the individual and of the collective, the ways experience is transformed by evolving building practice, how structures influence, suggest, instate certain mental states and vice versa, all which have a tendency to elude intentional planning only to return as atmospheric, emotional experiences sometimes with grave and irreversible consequences leaving behind a society captured by its inventions. Can we ever get a grip or are we bound to a state of helplessness? And is it not precisely this condition of captivity that emanates from works of these authors and others which make them so compelling? Defeat and submission, which in a way radiates a sort of masochistic pleasure while deconstructing the supposed omnipotency of mankind? What is at work in the hidden parts of the minds of the involuntary prisoners of architecture? The creator, which is created and creating his creations and creature at once? The inventor, who is invented, who is constructed by his objects, his tools, machines, gadgets, cages? Who could intervene? Do we need to resort to inventing a saviour? Project ideologies of faith, utopias of knowledge, legends of control? Found-object fathers, self-proclaimed mothers? For one can find reference to the architectonic unconscious already in the earliest and best circulated scriptures: Forgive them, for they do not know what they are doing. Or forget them?

Cities, to which Bollas turns to expand his thoughts on architecture, are driven by processes that carry the markers of the unconscious: They are decentralised, coexist in contradiction to each other, complex, conflicted, incessantly active and transforming, timeless and instinctual. Yet, even though LasVegas, New York, Milan, and others, have much, ingredients, in common, they develop individually, develop a unique character. Distinctions, differences, which we can vaguely grasp and are used to label ‘atmospheres’. The psychoanalyst in his practice, in his repeated encounter with a patient comes to be a tourist or urban explorer of the psyche. He gets to know the landscapes, the wastelands, the partitions, quarters, monuments, construction sites, transportation systems, learns to navigate them. Again one must for once allow himself to go beyond the metaphorical and accept for the moment that such reflections of the exterior are duplicated or are coexisting in the psychic interior.

‘Pile uses Freud’s theories on the uncanny to discuss how dreams mask and reveal unconscious desires. He contributes to the discourse on space identity and urban life, suggesting that cities are the physical representation of a society driven by wish fulfilment and anxieties.’ (cf. Calvino: Invisible Cities.)

Representation? What would be a termite hill be the representation of then? What exactly means representation? X stands for Y, a signifier stands for a signified? Dignified? There is implied a sort of causality or maybe a symbolic equation which I think in some way obfuscates or covers the field in which the relationship between urges, instincts, desires, Eros and Thanatos, anxieties and the overall container that mankind continues to synthesise by processing raw matter. The collective effort of transformation, of construction, of synthesis which condenses on but is not limited to the domain of the city, the city in the sense of a metropolis. The word city stands for something and even though it might have a clear center, in Europe mostly a square marked by a cathedral, it does not seem to have a clear boundary. The city extends by far into its own hinterlands, flows into the private, into the virtual, the atmosphere and the subterranean alike and so into the psychic. Most cities have been launched way before the Great Joy. They continue to accrete Zeitgeist after Zeitgeist, set limits to change, show resistance and thus continuity, yet they also are place of evolution, change, adaptation. Desiring machines in the Deleuzian sense. Take for example the anxiety of proximity (Die Angst vor Nähe) What has been stated before, the city being a representation of wish fulfilment and anxieties could also be held true for what is referred to as the media landscape. One might postulate a hypothesis that media is an or the infrastructure which purpose is to stand available for the management of the individual’s anxieties: An anxiety management infrastructure. There are easy takes and more sophisticated ones and yet they all have a territorial component. The easy one is the weather. Uncertainty in face of mighty forces is not only tamed, but also allows for reverse-engineering of anxiety to the release of affects, such as joy, disappointment, anger, frustration, helplessness. All this by simply reading the weather report. What happens on the subway though?

The point I want to get to is the uncanny notion of what could be called affective assemblages and by which I would like to point attention towards how certain nodes of the media architecture create by the use of an individual a conduit of affective transaction which then on the level of the collective bubble up to become influential on the domain of the public discourse and politics. I will try to give a simple example. We are on the subway which implies to be condensed to and immersed into an unusually high density of individuals which generates the notion of proximity, of closeness. A natural wish for belonging and togetherness is contrasted with the ensuing anxiety of merger and fusion. Here I want to take up the question of ‘representation’ of wish fulfilment and anxieties. What one can observe is that individuals are in ever lager proportions glued to their handheld devices for a certain reason. This might be understood as an evasion of the notion of proximity, an intent to escape and denial. The handheld devices deliver opportunities, the constructed applications function as an architectural extension delivering alternative spaces. Desire and anxiety are opposite poles on the same continuum in the sense that there are wishes which are morally sanctioned, are forbidden and the indulgence of which consequentially launches states of anxiety. One would want to rape or to kill the others nearby which of course is not granted, yet the wishes for thus are deeply engrained in our psychic structure. This is base of the general condition of conflictedness. Now it is known that certain applications have the function of promising wish fulfilment on the surface. In case of dating platforms such as Tinder, it is the wish for sexual intercourse or togetherness. On the other hand, the public discourse is filled with frustration, mainly taking the form of xenophobia. The question of identity, of others pouring in distorts the political landscape and voices of indignation, resentful voices, tell tales of narcissistic injuries, frustrated opportunities, of rejection. Young men who turn their aggression against mythical invaders incite hate. The disenfranchised are that because they feel rejected, out cast, devoid of opportunities. Nationalists and Incels, involuntary celibates, constitute a caste of band of brothers, who, as in Freud’s primal horde, experience the exclusion to the access of females. What exactly happens on Tinder is that the desire for proximity coincides with the accumulation of rejection. Not only that the social experience of getting to know someone is thus institutionalised and operationalised, is taken out of the public sphere and locked into a box with a clear defined routine. The ambition is that of countering chaos and uncertainty. If you go to Tinder, you are promised to encounter others who are by the virtue of their presence on this platform willing to couple. Yet the desire is countered and in essence sabotaged by the corresponding anxiety. Here you do not engage the real person but the encounter is mediated by a certain process of presentation and representation. Everyone is free to construct his and her shop window avatar which is a synthetic extrapolation of how one perceives himself and how one wants to be perceived, we are confronted with graphic designs of ego-ideals, fakes instead of real subjects. The interactions run according to certain protocols and follow the main theme of expectation: What can I expect out of investing into this profile. What kind of meat experience is waiting for me behind this shop window? Yet the fear of engaging the other is mended by the barrier function of the platform. It not only allows for contact to be made, even if it following a process of superficial selection as in any catalogue, but it also allows for a quick and painless termination of a contact. This economisation of encounter leads to a shift in the way one invests into a match. There might be sexual and sometimes even pervert fantasies which drive the process to obsessive levels but also there might be on the deeper level the gratification of masochistic trends, those which derive compulsive satisfaction out of the fact of being hurt and rejected. The anxiety in the light of looming success, of getting the wish granted is not to be discounted in terms of psychodynamics and it might prove more stabilising to receive the reinforcement of the fantasy of being excluded. In this sense the approach to each new possible contact becomes every time more of a defiant and rebellious attitude and what is gained in the end is certainty, the certainty that in the light of the narcissistic injury leads to devaluation, envy and hate. It has been said that there are characters who in their conduct of such encounters have already developed rather rogue and vicious attitudes of the kind that would in the immediate encounter between individuals be immediately sanctioned. Ridicule remains the ultimate weapon of defence. For all that a platform that is based on the promotion of love and tender relationship does is to become a vehicle for raw psychodynamic processes of reenactment of anxiety situations, the desire machine in fact turns to become a disappointment and rejection machine, a reactor of hate, which the individuals in their unchecked un-public spheres are bound to carry and then to spill out again. This out pouring yet then is facilitated by other platforms such as maybe 8chan. 8chan is the forum of the disenfranchised haters who here are free to exchange fantasies and delusions of persecution and destruction. Here hate and impotency is given the space and infrastructure to be, in a process of joint cooking, transformed into phantasies of omnipotency and subsequent supremacy. Liberal media is decrying what is coming out of these dubious holes of band of brothers associations and it might be truly damaging to the political discourse, to democracy. Yet what needs to be understood that it all takes place on the subway, that the subway might be also the right spatial metaphor in the sense that the individual nodes, such as Tinder and 8chan, are connected under the surface, deep in the psyche of the individual, and also in the sense that the question of proximity, of density, of being compacted is related to both wishes and phantasies but also conjoint anxieties and deriving fears of proximity. In this sense if one argues that the city is the physical representation of wish fulfilment and anxieties, it might be good to do two different things. One is the critical evaluation of what representation implies, meaning that the relationship between the subject and its collectively constructed container might be more intricate than that of mere representation. Second, to allow for the extension of that what is signified by ‘city’ or ‘physical’ beyond the concrete built form taking the alternative and more ephemeral and intangible forms of architecture such as virtual platforms into (urbanistic) consideration.

 

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02d :: Involuntary Architecture

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What I would like to do in the following is to undertake a short experiment. The driving question is this: how can psychoanalytical theory or thinking inform the discourse in architecture? What delight might come out, emerge, out of this inter-course?

For this I would like to begin with the assumption that architecture has something to do with building, that is the situation and construction of structures in shared visible objective reality. These structures as a further condition have something to do with mankind, the standard relationship being that of one has the capacity to contain the other. Furthermore architecture, in contradistinction to mere building, invokes the capacity to carry a more or less explicit or coded message. Thus architecture is not only a medium in this sense but has too a relationship to that what we refer to as ‘meaning’. It stands for something, it represents a symbolic or symbolisable immaterial entity. Signalling, signifying, architectural products might well be also understood as symbol-forms. Psychoanalyst Christopher Bollas in his essay on the architectural unconscious slightly extrapolates this aspect when he claims that ‘building is a form of prayer’, but for now it might be better to stick to axioms that we can agree on. Taking the essay as a point of departure, what interests me here is to explore what in turn an unconscious architecture might be.

Learning from Las Vegas, the lessons obtained were that architecture is not only there where architects are at play but that proto-architectures might be identified much like found-objects by the virtue of things having something to do with what we are used to perceive as architecture. Thus the discourse of architecture is too on a mission to expand and to incorporate. The decorated shed, the duck, synthetic landscapes of arbitrarinesses, complexities and contradictions. I would like to introduce the term involuntary architectures to account for those constructed forms, which first are forms built not by architects, and second, potentially as a consequence of first, are forms that carry symbolic meaning which was not intended in the sense of consciously planned. Third, the symbolic meaning is at first hidden, needs to be deducted, yet once rendered visible it comes with astonishing intensity. A method for unveiling hidden symbolic meaning is available to us in psychoanalysis, which has been developed to make unconscious psychic content conscious and thus available for the purpose of reflective evaluation. [repetition compulsion][That what we do not remember we are bound to repeat.]

It was essentially in the course of meditating on three concepts which in different guises pop up both in architecture as in psychoanalysis that a specific cultural event popped up in my mind, to which I in my private universe too have developed a certain psychic involvement. First the concepts that were roaming around in my mind were a) containment, b) coupling, and c) playing. To give a brief description, containment in architecture might refer to the ability to shelter and thus to create an articulated inside-outside differentiation. Whereas in psychoanalysis containment is referred to a psychic function that is performed within the mother-baby dyad by the mother-figure having the role of an external and auxiliary regulator of emotional volatility of the baby. Coupling I would in architecture locate as construction technique in general, the need to assemble, that a built form usually is an organisation of multiple building blocks which need to be spatially related to each other in a way that a trustworthy amount of solidity and resilience is achieved. In psychoanalysis coupling has its precedence in sexuality where various forms of inter-course between two discrete individuals take place. Whereas containment has its precedence in pre-natal intrauterine life, coupling is that what follows after birth: the baby, coming to this world with the fundamental belief that something good is waiting for him there, immediately attaches to the breast of the mother. Thus out of this first experience of attachment follows not only fantasy but also a model of thinking. We link meaning to forms, we link one letter after the other and so forth, we establish meaningful associations in order to navigate external reality. The third concept, playing essentially stands for creative activity, the capacity to be creative, inspiration, a certain formal freedom, but also practices such as experimenting, exploring, mastering, perfecting and such.

In medias res: Whereas this [H&deM: BIRD’S NEST, BEIJING] is obviously architecture, have you ever considered this [GENERIC SOCCER GOAL] to be architecture? Why would it be? There at first seems no artistic involvement, hardly any evolution of form, but a stubborn repetition of a reduced and utilitarian structure, copied over and over again. [repetition compulsion] Compared to an Eiffel Tower, a Coliseum, a Falling Water or a Serpentine Pavilion this bricolage of iron tubes and net is at first hardly anything innovative or spectacular. Well neither is the duck one might say, but this is not the point.

Summary: Architecture contains, a), an element of building and, b), additionally, beyond its intended physical functionality, an immaterial component which can be perceived as ‘symbolic investment’. In short: A = b + Isym

Let’s move to another image, and this is where my personal involvement adds to the picture. I habitually engage a sport that is called basketball. The aim of the game is to pass a given ball through a hoop that is mounted on a height, 10’ (or: ten feet — equals 305 cm) that is beyond reach. The game is usually played by 10 people of the same gender whereby they form two opposing teams. Additionally there are variations such as one-on-one and other dialects. The topological model is that of a tubular hole through which a round object of slightly smaller size must be entered, one might speak of a penetration. All effort is on succeeding achieving this event of one-inside-the-other. In an other variation, soccer is a game where a ball needs to be funnelled into a gate-like construction which is simply referred to as ‘goal’. Here the opening of the frame to be intersected with the ball is on the vertical plane in contrast to basketball, where the hoop is horizontal. This change of position switches the emphasis from the vertical (parabolic or slam) to the horizontal, the parabolic is much more flat, the thrust of the ball thus has the quality of a projectile and is maybe in acknowledgement of this similarity referred to as ‘shot’.

Out if this spatial manoeuvre, ‘to achieve a goal’, which is so vehemently pursued [splitting: idealisation and devaluation] by the contestants the question arises:

Might it be that the ball and the goal (or hoop) have a very special relationship with each other? It appears that one remains rather meaningless without the other which would hint towards a form of co-dependency or might even amount to be labeled symbiosis. I am merely pointing in a certain direction – to elaborate the precise quality in terms of psychodynamics of this relationship needs to be crafted elsewhere as it would here unnecessarily obfuscate (derail) the line of thought.
This is what the ball without the goal is: [‘OUT’]. The shot went off, does not count, is subject to devaluation and is even sanctioned by mild forms of punishment. This is what the goal without the ball is: [‘0:0’]. Still a virgin game. That what is counted is the event of successful penetration.

The intent could be related to a joint effort of coupling: establishing the finite relationship between ball and goal. [fantasised] Here the fantasy of a relationship, the dream that might come true, stands first, clearly the motivation of all field-action, by which we get a first touch with the psychic domain which is going to gain importance as we move along. While coupling is the procedure which unfolds over time, its aim is the insertion, the achievement of a situation of spatial containment: the ball coming to rest in the domain of the goal-gate, usually gently brought to a stand-still by the voluptuous elastic mesh, remaining there for a blink of an eye [or some felt eternity] while the world around is being adjusted to what just happened.

So what exactly has just happened and how does that relate to the question at the beginning of this text? In terms of topographical space, a limited set of individuals have achieved something that they for some time were working on: to establish or construct that relationship between a ball and a gate like structure which they agree to be the most meaningful and desirable and for which they might have previously even prayed for. In this endeavour the gate or goal receives an utmost intensity of libidinal but also aggressive cathexis which is played out by forms of reverie and attack.

What could follow out of this observation is the claim that even though it is the encapsulating infrastructure, the stadium which as a canonic object of architectural discourse is one form of explicit or intentional, conscious architecture, the less decorated and with aesthetic generative concepts invested structure of goal frame (and ball) might be understood as a form of reverse or a posteriori architecture, found objects, found by massive psychic labour which retroactively turns a profane and pragmatic built form into a structure with a non-neglect-able sacral or symbolic quality. This is the typology of the altar, the shrine, the crucifix…

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My main thesis is going to be this: Architecture is a psychoactive substance. Now what follows thereof? Much has been written about the ways in which architecture or built environment in general structures behaviour and experience of mankind. There are instances where this influence can be considered beneficial and others where it is deemed detrimental. Examples will follow. In this sense it might be not a unique or original thought, yet if one follows through the statement maybe new aspects of the intertwinement between buildings and the psyche can be obtained.

Comfort and the lack of the same is a rather basic quality of human experience. I am cold, the wind blows unhindered around me and makes it hard to concentrate, frustrates, defines my attention. Consequently I feel exposed which can amount to a sense of abandonment or desolation. Do I have the opportunity to cross the street and to enter a building where I can find shelter? If so, it is not only that I have entered a building but also that I have ingested a notion of comfort, thus architecture has entered my system and began to transform my ways of perceiving my existence. It has changed me, inhabited me. I can sit down and continue to write. For a while.

A substance is understood as something that acts onto the organism from within, something which can be consumed. I feel secure, comforted, taken care of, my spirit is lifted. This rather simple and archaic operation might demonstrate the transformative effects of built environment.

Yet, if one continues the exploration, a next question would be that towards the difference between architecture and building and a first answer might be that architecture is a practice of building that is defined by the presence of a planning process of intentionality. It is thoughtful provision. In its course not only the needs of the future inhabitants are envisioned, experimentally and hypothetically articulated, but more so an image of what it means to be human is worked out. And this in the historical tradition of architecture implies psychic, symbolic, aesthetic consideration. More often than not thus architecture is understood by architects as a medium, as a device of communication, an idea, which I believe needs to be scrutinised as the notion of being informed needs to be juxtaposed to the notion of being transformed. The second bearing grave consequences towards the agency and in consequence the responsibility of architecture and planners. This is the dimension of the psychoactive, and we enter the question towards the psychic changes, the imprint of a building onto the soul of the individual or inhabitant once he/she is exposed or immersed in a certain built compound.

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02b :: Idealised Frag,(me…n’t)…s

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There came the moment when I woke up to finding myself in the act of searching for relationships between a so-called architecture and a so-called psycho-analysis. It proves hard to transcend the metaphorical level, I was feeling dissatisfaction with the results I so obtained and I came to realise that what I was intending is to find one in the other: (!) I was drawing parallels. Then it began to feel as a liberation when finally questions began to bubble up that I could hold on to. Questions which are not new but maybe require to be answered again and again since a finite answer can never be given, yet the pleasure must be in the attempt. What is it to be in space? To have something like a body? What is it to be limited? To be exposed? To being able to move? To feel and to remember? What is it to be inside or outside, in the same way as what is it to dream or to be awake?

One could argue that while dreaming, we all are some sort of architects. Architects in the sense of the word that we as autonomous yet liable authors engage in creations which follow fantasy, imagination, conceptual thinking, abstraction and symbolisation as much as these nocturnal architectures are commissioned in the wake of fundamental and concrete needs. Houses, landscapes, corridors, infinite spaces, cathedrals, cemeteries, each of us performs infinite design operations, is free to perform a divine play of associations and constructions, sceneries in which scenes, acts and rituals of love and cruelty can unfold. What first appears as freedom might become as something inescapable, as the soap can hardly take place without the kitchen, our imagination is taken up by the need to take place within a certain confine, to be bounded. What exactly drives this spatial dialectic? Where does it stem from? How does the dream memory of confinement and asymptotic freedom permeate waking life?

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02a :: Juanito de la Calle

hello my rainbow friend of time space and jelly
this is urgent
not
no argent
no nico
no tina
no tear
no peanut
hello my friend of rains and bows
of brains and balls trains, claws and jaws
if u are still there
if u have next you still those who hunger who live
live of all that can be built as all that can be thought
if the pale old dukes and duchesses who always thought
posed and opposed
orders that were a bit older
ten minutes
limits of cold controlled orders are there
all those who think, believe and unite in those fights that always need to be fought
them with stains and marks on their questions
questions
growing inflating in hangars like zeppelins
unmarking with a dot
uneasing the outside of skies
millions of subscribed eyes
tough ones and shies
so if there are there still those who care
those who do and those who dare
on the ranks, on the galleries
on the yanks
then run
run an tell them
tell them about rags, about dark roundabout alleys, the dead ends of every days life
tell them
tell them
tell them that there is
somewhere out there
at the end of an airstrip
at the feet of the airplanes
somewhere between the refinery of oils and the terminal of human soils
in a big old silo
a little Joe
a little Juanito de la Calle
who is in danger
in danger of dying
dying of beauty
dying of wonders
of tectonic and archaic gestations
of towers and tunnels
tell them to come to relieve him
to take some of that beautiful burden
burden of heavy beauty
of loads of surprises
of double progressions and counter narratives
of nothing
of nothing new
still of loud, loud unknowns
clouds of lessons
he caught as a little fisherman in his fine stricken nets
he
little Juanito
valiant
put himself on his own hook
to become
to be
so he was and so he still is
and can be
the bait
the little bait for some other trait
for dark lights and light lengths
never completely the center
for the ends of no ends
he
never perfect as circle
now here naked
too naked to enter
for now it seems like out there is just white, white crystal winter
winter between a July and an August
better judge with no this, no guts, no gust. no you no me no now no never no more no less no often no fewer no fever no temper no mires no walls no roofs no doors no hands no ands and no ors
this way yours
xtt

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